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Infodefizite auf Patientenkosten

Von Christian Mayr

Analysen

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Nirgendwo sonst ist ein sensibler, menschenfreundlicher Umgang so von Nöten wie im Gesundheitsbereich. Nur wenn der Patient das Gefühl bekommt, umfassend untersucht und informiert zu werden, nimmt er auch mitunter längere Wartezeiten in Kauf; wird er allerdings als lästiger Bittsteller gesehen, der kostbare Zeit in Anspruch nimmt, gibt es selbst im angeblich besten Gesundheitssystem der Welt böses Blut.

Mit teils fatalen Auswirkungen, wie zuletzt der Fall einer abgewiesenen Schwangeren aus Wien bewies, die letztlich ihren Fötus verlor: Von einem Krankenhaus zum nächsten gereicht, landete die Frau schließlich mit einem Tag Verspätung in der Rudolfstiftung, wo sie endlich stationär aufgenommen und umfassend untersucht wurde. Letztlich wurden seitens der Verantwortlichen zumindest "Fehler in der Kommunikation" mit der Patientin zugestanden.

Kein Ruhmesblatt ist auch der aktuelle Fall aus dem Krankenhaus Floridsdorf, wo in einer Geriatrie-Station die extrem unangenehme Krätze ausgebrochen ist. Auch hier ist die interne Kommunikation alles andere als optimal gelaufen: Dass der Fall wesentlich entspannter verlaufen wäre, hätte das Spital früher reagiert, wird zwar dementiert - zugleich schiebt man die Verantwortung gleichsam auf ein anderes Krankenhaus ab.

Von dort, so heißt es, wäre die Infektionserkrankung der Patientin falsch diagnostiziert und daher nicht eher kommuniziert worden. Leidtragende durch derartige Informationsdefizite - wer auch immer sie nun verschuldet hat - sind wiederum andere Patienten, die sich vorsorglich mit Parasiten-eindämmenden Salben oder Tabletten behandeln lassen mussten. Wohlgemerkt sind dies ausgerechnet Patienten der Akutgeriatrie, die ohnedies schon schweres Leid zu tragen haben. Dieser Fall offenbart freilich ein Dilemma, schließlich kann nicht jeder Arzt eine getroffene Diagnose in Frage stellen, denn damit würde sich eine Kette an kostspieligen Doppel- und Dreifachuntersuchungen ergeben.

Für die Präsidentin der Österreichischen Plattform Patientensicherheit, Brigitte Ettl, ist umfassende Patienteninformation jedenfalls der Schlüssel zu einem modernen Gesundheitssystem: "Jeder Patient soll einen fertigen Brief mit nach Hause bekommen und zusätzlich persönlich darüber informiert werden." Denn zwar ist mittlerweile Realität, dass die einzelnen Spitäler eines Trägers gegenseitig die Patienten-Krankengeschichten austauschen können, die Träger selbst sind aber noch nicht vernetzt. Im Sinne des Patienten sind für Ettl daher elektronische Zukunftsvarianten wie die Elga unabdingbar.