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Infrastruktur braucht neuen Schub

Von Helmut Dité

Wirtschaft

Hoher Bedarf vor allem bei Strom. | Genehmigungs-verfahren müssen kürzer werden. | Wien. "In Wahrheit haben wir bei der Infrastruktur einen Investitionsbedarf wie beim Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg" - Horst Pöchhacker sieht einen "unhaltbaren Status" vor allem im Bereich Verkehrswege und Energie. "Seit 20 Jahren ist zu wenig in neue Kraftwerke und vor allem Stromleitungen investiert worden". Inzwischen müsse Österreich Strom importieren - und "die Schere geht immer weiter auf". Blackouts hält der Porr-Vorstandschef in den nächsten Jahren deshalb auch hier zu Lande für "wohl unausweichlich".


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Auch der Bereich Verkehrsinfrastruktur liege nach wie vor im Argen: "Wir haben immer noch Nachholbedarf aus der Zeit von 1987 bis Mitte der 90er-Jahre, als die Investitionen praktisch halbiert waren - und dazu hohen Neubedarf".

Immer noch gebe es keine wirkliche Koordination der Verkehrsträger Straße und Schiene, immer noch dauerten die Genehmigungsverfahren viel zu lang: "Bei der Wiener Südostumfahrung S1 hat die ganze Geschichte in Wahrheit von 1971 bis 2004 gedauert, das muss doch nicht sein. In zwei bis vier Jahren sollte man in einem zivilisierten Land eine Umweltverträglichkeitsprüfung doch über die Bühne bringen können".

Statt Baustopp Ersatz etwaiger Schäden

Statt jedem Einspruch gleich aufschiebende Wirkung zu verleihen, solle man einen tatsächlich entstandenen etwaigen Schaden im nachhinein abgelten, regte Pöchhacker am Mittwoch im Wiener Klub der Wirtschaftspublizisten eine diesbezügliche Verfahrensänderung an.

Gerade auch der Kampf gegen den Klimawandel werde für innovativ denkende Unternehmen ein "gewaltiger Investitionstreiber" sein - nicht nur im Energie- und Bahnbereich, sondern auch bei der Wärmedämmung und im Schutzwasserbau.

Angesichts leerer öffentlicher Kassen und gleichzeitig "vor Geld überquellender Finanzmärkte" plädiert Pöchhacker für neue Wege bei der Finanzierung: Man müsse das private Kapital mit Investitionsanreizen in den Infrastrukturbereich locken. Konzessionsmodelle, Privat-Public-Partnership(PPP) oder BOT-Projekte ("build-operate-transfer") - wie die soeben in Angriff genommene Nordautobahn A5 - böten riesige Chancen.

Bei diesen gemischt öffentlich-privaten Modellen verabschiede sich der Staat auch nicht endgültig aus der Infrastruktur, "die öffentliche Hand hat die Chance, später wieder stärker einzusteigen." Statt Reihungen und weiteren Aufschub notwendiger Projekte zu diskutieren, um "nur ja keine neuen Schulden zu machen", solle man "den"Begriff Schulden nicht undifferenziert in einen einzigen großen Topf werfen". Denn Kredite für sinnvolle Projekte, die auch künftigen Generationen zugute kämen, könne man nicht wirklich als Schulden bezeichnen.

Am Job des ÖBB--Aufsichtsratsvorsitzenden, für den Pöchhacker jüngst ins Gespräch gebracht wurde, habe er grundsätzlich Interesse. Er halte es aber für unvereinbar, gleichzeitig Porr-Chef und ÖBB-Aufsichtsrat zu sein - "das deckt sich nicht mit meinem Verständnis von corporate governance". Der Vertrag des Porr-Langzeitchefs läuft Ende 2007 aus.

Bis dahin will er eine Kapitalerhöhung für Österreichs zweitgrößten Baukonzern auf den Weg bringen, vor allem, um den Expansionskurs in Osteuropa fortsetzen zu können und die Eigenkapitalquote von derzeit 15 auf über 20 Prozent anzuheben.

Frisches Kapital,

höherer Streubesitz

"Die Idealvorstellung wäre ein starker Kernaktionär mit 60 Prozent und 40 Prozent Free-float", sagte Pöchhacker. Die Entscheidung liege aber bei den Eigentümern. Derzeit liegt der Streubesitz unter zehn Prozent und damit sehr niedrig. Den größten Anteil an der Porr hat die zur Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) gehörende B&C Holding mit 45 Prozent, 31 Prozent hält der Unternehmer Klaus Ortner, 10 Prozent die Wiener Städtische.