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Innovations-Zauberformel: "Tu’s einfach"

Von Sara Hassan

Wirtschaft
WZ Grafik

Stabilität und Sicherheit als Hemmschuhe für junges Unternehmertum, zu wenig Förderung von Wirtschaftstalenten.


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Salzburg.Der israelische Unternehmensgründer und Nobelpreisträger Dan Schechtman hat einen guten Rat für Möchtegern-Entrepreneure parat: "Sagt niemals ‚Wir sollten etwas verändern.‘ Das passiert nie. Ich tu’ es einfach." Über diese Nike-Slogan-Philosophie - "Just Do It" - diskutierten am Wochenende auf Einladung der marktliberalen Gütersloher Bertelsmann-Stiftung Experten, Unternehmer und Politiker von China bis Spanien in Salzburg beim alljährlichen "Trilog". "Wenn Menschen zu mir kommen und sagen, sie hätten keine Ideen, dann erwidere ich immer, man muss nur in die Alltagswelt der Menschen sehen und sich ihre Probleme anhören." Innovation, soviel ist laut Schechtman sicher, wird am besten direkt in der Praxis gelehrt.

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte die Bertelsmann Stiftung in einer umfangreichen Studie erhoben, welche Konditionen und welches Umfeld es braucht, damit unternehmerische Ideen in die Tat umgesetzt werden können.

Sich selbständig zu machen ist laut den Studienautoren aber nicht nur eine Frage von wirtschaftlicher Sicherheit. Jeder vierte österreichische Befragte hat bereits über die Umsetzung einer Geschäftsidee als Selbstständiger nachgedacht. Aber nur 10 Prozent haben in den vergangenen fünf Jahren erfolgreich konkrete Schritte unternommen.

"Manchmal muss man sich einfach trauen"

Die Bedingungen für Start-ups haben die Diskutanten in Salzburg so umrissen: ein gutes Bildungssystem für alle, ein relativ freier Markt ohne bürokratische Hürden sowie ökonomische Stabilität. In einem Umfeld, das von Korruption gezeichnet ist, wären junge Unternehmer hingegen verloren, so der Tenor.

Die Studienautoren werden durchaus romantisch: Mit "Sturm und Drang" könne man "die Dynamik der heutigen, sich schnell verändernden globalen Geschäftswelt, die durch Globalisierung, Technologie und aufstrebende Märkte gekennzeichnet ist", beschreiben. Darauf müsse man reagieren und eine unternehmerische Kultur mit Zukunftsperspektive in der Gesellschaft verankern.

Der Hunger nach Neuemvs. sattes Österreich

Unternehmerisches Potenzial würde in Österreichs Betrieben kaum genutzt, so das Ergebnis der Bertelsmann-Studie. 44 Prozent der Arbeitnehmer beklagen, dass sie im Beruf kaum Möglichkeiten haben, mehr Verantwortung zu übernehmen und unternehmerisch zu handeln. Zwei Drittel der Beschäftigten wünschen sich von ihren Führungskräften mehr Entscheidungsfreiheit für unternehmerisches Denken und Handeln am Arbeitsplatz. Talente für ökonomisches Denken würden nicht gefördert - ein Manko, gerade im aktuell unsicheren Wirtschaftsklima.

Warum Österreich und Deutschland in Bezug auf Unternehmensgründungen im internationalen Vergleich relativ schlecht aufgestellt seien, erklärte man so: Sie seien nicht mehr hungrig nach Neuem. In einem relativ stabilen Umfeld genießen wir eine solide Zufriedenheit - Anreize für Neues gebe es da nur wenige.

Ganz anders sei die Situation etwa in Israel. Ein labiles sicherheitspolitisches Umfeld würde eine Atmosphäre kreieren, die Erfindergeist schon aus der Not beflügelt. In China wiederum würden die Menschen für ihre Ideen alles investieren und dadurch eine gewisse Zeit am Existenzminimum leben. Österreicher und Deutsche wären zufrieden und gesättigt, auf einem derartigen Nährboden könne Innovation nur schwer sprießen. Und: Ein Drittel der befragten österreichischen Arbeitnehmer hätte vor der technologischen Dynamik in anderen Ländern Angst. Eine weitere Herausforderung für die gesellschaftliche Zukunft: Das 21. Jahrhundert sei vor allem durch Kriege zu Innovationen motiviert. "Wir sollten Ideen entwickeln, die von Frieden motiviert sind", so der Tenor der Diskussion. Plus: Hinzu komme mehr Verantwortungsbewusstsein. Unternehmen sollten im Umgang mit Ressourcen, Mitarbeitern und Umwelt mehr auf Nachhaltigkeit setzen. Die Frage nach dem Erfolg neuer Unternehmen sei immer auch die Frage, wie bereit eine Gesellschaft und eine Generation für Risiko, Kreativität und Innovation sind.

Zur Umsetzung dieser Ziele seien auch Regierungen, Großunternehmen und die Zivilgesellschaft gefordert. Bereits im Bildungssystem könnte die Förderung unternehmerischer Ambitionen und Interessen ansetzen. Spezielle Fächer in Schul- und Berufsausbildung etwa sind eine Idee, die in Österreich auf große Zustimmung trifft. Über 70 Prozent der Bürger wünschen sich, dass wirtschaftliche Bildung als Unterrichtsfach in den Schulen eingeführt wird. So ein Know-how macht sich bezahlt.

Die Schlüsselfunktion, die junge Unternehmen für Arbeitsplätze einnehmen, ist bemerkenswert: Unternehmen, die weniger als fünf Jahre bestehen, sind die Hauptquelle für neue Jobs - auch während der Finanzkrise konnten solche Unternehmen im Gegensatz zu älteren sogar positive Zahlen verzeichnen.

Das zeigt: Gerade etablierte Unternehmen, deren Produkte seit Längerem auf dem Markt sind, sollten Risiken und den Sprung in ein innovatives Zeitalter wagen. Wesentlich ist der Zugang zu sozialem Kapital und Vernetzung. Die Digitalisierung und die Möglichkeiten neuer Informationstechnologien sind dabei zentral für innovative Kommunikation. Dabei kommen neue Formen der Schwarmintelligenz auf, die auch außerhalb des Unternehmens wirksam werden, wie zum Beispiel Crowdsourcing.