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Ins Gefecht

Von Matthias Balmetzhofer

Politik
Besuche beim Zahnarzt und in Firmen: Mit dem Minister (l.) will der Bezirkschef (r.) bei den Donaustädtern punkten.
© Bundesheer/HBF

Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) besucht gemeinsam mit dem roten Bezirksvorsteher Ernst Nevivry die Donaustadt. Es gilt die FPÖ zurückzudrängen.


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Wien. "Was der Verteidigungsminister mit Zahnärzten zu tun hat, weiß ich nicht", sagt Susanne Stroh unbekümmert und fragt verwundert: "Verteidigt er jetzt die Zahnärzte?" Sie sitzt im Aufenthaltsraum der Zahnklinik Danubemed im 22. Bezirk - und wartet, bis sie aufgerufen wird.

Dass der Verteidigungsminister und stellvertretende Bundesparteivorsitzende der SPÖ, Hans Peter Doskozil, mit einem kräftigen "Grüß Gott" den Raum betreten hat, scheint der 47-Jährigen egal zu sein. Die längeren Wartezeiten durch den Besuch des Ministers nimmt sie achselzuckend in Kauf: "Die sind o.k." Für den Zahnarztbesuch von Doskozil ist der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevivry (SPÖ) verantwortlich. Gemeinsam mit der SPÖ-Donaustadt hat er das Programm für den Bezirkstag zusammengestellt. Überschwänglich freut sich Nevivry, dem Minister, "den schönsten Bezirk Wiens" zu zeigen. Er lächelt dabei und weiß wohl, dass er die Lobeshymnen über den Bezirk strapaziert.

Auch Alfred Cunat kann es kaum glauben: "Es ist das erste Mal, dass sich ein Minister für unser Museum interessiert", sagt der Leiter des Museums Schüttkasten Essling. Vor 207 Jahren verlor Napoleon hier seine erste Schlacht. Jetzt befindet sich im Museum ein Diorama. Mit mehr als 8500 handbemalten Figuren ist es das größte in Mitteleuropa.

Nächster Halt: die Gemüse- und Obstfirma Wiegert. Die SPÖ-Delegation rund um Minister Doskozil und Bezirksvorsteher Nevivry sieht sich an, wie Salat verarbeitet, geschnitten und verpackt wird. Bis zu drei Tonnen Tomatenscheiben für Sandwiches können in der Fabrik im 22. Bezirk gemacht werden, erklärt der Chef, während die SPÖ-Funktionäre schon wieder die Halle verlassen.

Wieso macht Doskozil das? Was bewegt den Bundesminister zu dieser ungewöhnlichen Tour durch einen Wiener Bezirk? "Ich will wieder vermehrt raus zu den Menschen", sagt Doskozil, der Anfang des Jahres als Minister angelobt wurde.

Doch mit seiner Antwort wirft Doskozil gleich mehrere Fragen auf. Denn mit seiner Begründung steht er seinem Parteichef und Bundeskanzler Christian Kern entgegen: "Wir müssen uns verabschieden von der Phrase ‚Wir müssen hinaus zu den Leuten.‘ Wir sind die Leute!" Dieses Zitat findet man zumindest auf der SPÖ-Homepage neben dem Konterfei von Christian Kern.

Dann doch wieder abgeschottet von "den Menschen" sticht das sogenannte "Partyboot" mit den SPÖ-Funktionären und Doskozil in See. Auf der Alten Donau, abseits von Schaulustigen wird zu Mittag gegessen. Das Dessert beendet die Bootsfahrt und die Politiker ziehen weiter durch die Donaustadt zur MA 14. Das IT-Zentrum ist für den Datenverkehr der Stadt Wien und die Sicherheit im Netz zuständig. 73.000 Hackerangriffe werden täglich abgewehrt. Der Verteidigungsminister hat mit dem österreichischen Geheimdienst, dem Heeresnachrichtenamt, ähnliche Aufgaben. Gespannt hört der Minister zu.

Am nächsten Standort angekommen, lässt sich Doskozil aufmerksam über das Firmengelände des weltweit agierenden Pharmakonzerns Shire führen. In der Donaustadt wird an mehreren Standorten geforscht und entwickelt. Der Sicherheitsraum ist voll mit Bildern von Überwachungskameras. Hin und wieder blinkt ein Licht. Auch hier kennt sich der ehemalige Polizist aus und wird stutzig: "Bei einem Einbruchsalarm ruft Ihr aber schon die Polizei?" "Nein, da schauen wir zuerst einmal selbst nach", entgegnet ihm ein Verantwortlicher.

Nach dem Besuch im OMV-Tanklager Lobau trommelt der Bezirksvorsteher Funktionäre der SPÖ-Donaustadt zusammen. Mit Nelken und Minister will man die Besucher des Donauzentrums überraschen. Ein paar Menschen wollen ein Foto mit Doskozil, der fleißig Hände schüttelt. Bezirksvorsteher Nevivry ist sichtlich zufrieden. Mit einem breiten Grinsen spaziert Nevivry stolz durch die Gänge, vorbei an den Geschäften. Mit seinem präsenten Auftritt scheint der Bezirksvorsteher die Verluste der vergangen Wien-Wahl zu kaschieren. Die FPÖ rückte der SPÖ-Donaustadt gefährlich nahe. 4 Prozent trennen die beiden Parteien im Bezirk.

Dabei müsste vor allem die Entwicklung dem Bezirkschef zu denken geben. 7 Prozent hat er bei der vergangenen Wahl verloren. So viel, wie die FPÖ dazugewonnen hat. Und um die verlorenen Wähler von der FPÖ zurückzugewinnen, hat der Bezirksvorsteher Nevivry Minister Doskozil eingeladen. Mit Hercules-Abschiebungen erfüllt der Verteidigungsminister derzeit eine langjährige Forderung der FPÖ.

Den nächsten Rundgang Doskozil gibt es übrigens in Simmering. Hier hat die SPÖ noch mehr Aufholbedarf. Denn mit Paul Stadler stellt hier die FPÖ erstmals einen Bezirksvorsteher.