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Insolvente Solarzellenfabrik Blue Chip Energy entpuppt sich als gewaltiger Ladenhüter

Von Kid Möchel

Wirtschaft

AKV-Insolvenzexperte Hrobar hofft auf Wunder - zwei Interessenten gescheitert.


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Güssing/Wien. Vor fünf Monaten ging der Solarmodulhersteller Blue Chip Energy (110 Mitarbeiter) mit Bomben und Granaten pleite. Rund 80 Millionen Euro Schulden hat die mit hohen Förderungen aufgezogene Solarfabrik angehäuft. Doch bisher soll kein ernsthafter Käufer in Sicht sein, bestätigt Wolfgang Hrobar, Insolvenzexperte des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV) der "Wiener Zeitung".

"Die potenziellen Käufer hätten sich ungefähr bis vor einer Woche melden sollen, wir hatten zwei inländische Interessenten. Doch einer ist angesprungen und hat das Angebot zurückgezogen, und der andere Interessent hat die Finanzierung der Übernahme nicht zusammengebracht", sagt Hrobar. "Daher hat man sich geeinigt, die Frist bis Ende des Monats zu verlängern." Nachsatz: "Wir hoffen auf ein Wunder."

Standortgarantie erwünscht

Denn laut Hrobar dreht sich bisher alles darum, die Gesellschaftsanteile der Blue Chip Energy GmbH zu verkaufen. "Es geht alles in allem um etwa zwei Millionen Euro und die Übernahme der Bankverbindlichkeiten", weiß Hrobar. Hausbank des bankrotten Solarwerks ist die Raiffeisen-Landesbank Burgenland, die ein Pfandrecht auf der Blue Chip-Betriebsliegenschaft in Höhe von sieben Millionen Euro hat, die Verbindlichkeiten sollen aber rund neun Millionen Euro betragen. Auch die technischen Anlagen stehen im Sicherheitseigentum der Raiffeisen-Landesbank Burgenland.

Zugleich soll ein etwaiger Gesellschaftskäufer eine zumindest begrenzte Standortgarantie für zwei Jahre abgeben. Das soll der Wunsch der Wirtschaftsservice Burgenland (WiBAG) sein.

Anfänglich wurde vor allem über potenzielle Käufer aus Asien spekuliert, doch laut Hrobar ist es kostenmäßig und technisch nicht möglich, die Blue Chip-Fabrik im Burgenland abzubauen und in ein anderes Land zu verfrachten.

Die Gesellschafter von Blue Chip wurden durch hohe Förderungen nach Güssing gelockt. So hat der Betriebsansiedler WiBAG der im Jahr 2006 gegründeten Blue Chip Energy Millionen-Förderungen gewährt. In der letzten Blue-Chip-Bilanz werden 10,44 Millionen Euro Investitionszuschüsse ausgewiesen.

Blue Chip gehörte zu 81 Prozent - unter Zwischenschaltung der österreichischen WFE Energy Development GmbH - der deutschen i-sol ventures um den Solarpionier Alexander Voigt, 18 Prozent hielt die börsennotierte deutsche Solon SE.