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Insolvenz: Und was kommt danach?

Von Rosa Eder-Kornfeld und Sophia Freynschlag

Wirtschaft

50 Mitarbeiter von Quelle offiziell noch auf Arbeitssuche. | Großteil setzt auf Umschulungen und Höherqualifizierung. | Wien/Linz. Es war ein grauer Herbst für die 1100 Beschäftigten des Versandhauses Quelle Österreich in Linz. Das Unternehmen musste am 16. November 2009 im Gefolge der Insolvenz des deutschen Mutterkonzerns Konkurs anmelden. Eine Zeit lang herrschte noch die Hoffnung, es könnte sich ein finanzkräftiger Investor finden. Doch sowohl Verhandlungen mit dem ehemaligen Investmentbanker Mike Lielacher als auch mit Ex-Quelle-Vorstand Martin Lenz blieben erfolglos.


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Ein Jahr später: "Es schaut gut aus", sagt Felix Hinterwirth, ehemals Betriebsratsobmann bei Quelle. 597 Personen entschieden sich, in die eigens gegründete Quelle-Arbeitsstiftung einzutreten und sich weiter oder höher zu qualifizieren. 274 von ihnen - das ist weniger als die Hälfte - sind noch drin und absolvieren eine Ausbildung, etwa zum OP-Gehilfen oder Altenbetreuer.

Arbeitslos gemeldet sind nur mehr 50 ehemalige Quelle-Mitarbeiter. 40 Personen, die kurz vor der Pension stehen, nutzen das vom AMS finanzierte Angebot "Chance P". Dabei können sie im Rahmen einer gemeinnützigen Arbeitskräfteüberlassung notwendige Pensionszeiten erwerben. Ein eigens für die 26 betroffenen Quelle-Lehrlinge ins Leben gerufener Lehrgang wurde im September vorzeitig aufgelöst, da alle Teilnehmer einen regulären Ausbildungsplatz gefunden hatten, teilte das AMS Oberösterreich mit.

Mit Spannung wird in der Branche unterdessen die von der Unito Versand & Dienstleistungen GmbH - hinter ihr stecken die Marken Otto und Universal - angekündigte "Revitalisierung" der Marke Quelle erwartet. Ab 1. Jänner 2011 soll Quelle wieder am Markt präsent sein, vor allem als Internet-Vertriebsschiene.

Harter Konkurrenzkampf

Mit dem Konkurs der Elektrohandelskette Cosmos im Februar dieses Jahres standen 1160 Mitarbeiter vor einer ungewissen Zukunft. "Wir wussten, dass nur ein Bruchteil von uns wieder einen Arbeitsplatz in der Branche finden wird", berichtet die ehemalige Cosmos-Mitarbeiterin Patricia Bauer von einem harten Konkurrenzkampf. Einige ihrer früheren Kollegen sind noch immer auf Jobsuche. Die 26-Jährige selbst hat die Branche gewechselt: Im Zuge der Arbeitsstiftung des Waff (Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds) hat sie eine Ausbildung zur Buchhalterin und Personalverrechnerin beim Wifi absolviert und arbeitet nun in der Buchhaltungsagentur des Bundes.

Von den 300 Cosmos-Mitarbeitern in Wien sind 27 in die Waff-Stiftung eingetreten. Davon sind zwölf wieder ausgetreten oder haben einen neuen Job gefunden. Viele Handelsangestellte würden lieber gleich arbeiten gehen als in eine Stiftung einzutreten, vermutet der Waff.

Von den 100 Cosmos-Mitarbeitern in Oberösterreich sind 47 in die Cosmos-Insolvenzstiftung des Landes OÖ und des AMS OÖ eingetreten; aktuell sind es noch 25 Teilnehmer. Standorte wie jener in der PlusCity in Pasching, in Fohnsdorf sowie Judenburg wurden von Konkurrenten mitsamt den Mitarbeitern übernommen.

Schaumrollen statt BHs

Beim Triumph-Werk im steirischen Hartberg, das mit Jahresende wegen Überkapazitäten geschlossen wird, laufen gerade die Umschulungen. Am Standort errichtet der burgenländische Konditor Helmut Ulreich eine Süßwarenfabrik.

"Uns war es wichtig, ein Unternehmen mit einer ähnlichen Beschäftigungsstruktur zu finden", heißt es vom Unterwäschekonzern. Von den 290 Mitarbeitern, der Großteil davon Frauen, werden mehr als 100 für die Süßwarenproduktion umgeschult. Weitere 100 werden für andere Berufe qualifiziert. Ein Teil hat die Firma verlassen, rund 30 Mitarbeiter sind in anderen Triumph-Werken untergekommen.