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Rund 22.000 "echte" neue Unternehmen, etwas über 5.700 pleite gegangene Firmen: Das ist die Bilanz des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV) über das sich zu Ende neigende Jahr 1999. Mit jeder | Unternehmensneugründung wurden im Schnitt zwei neue Arbeitsplätze geschaffen, von den Insolvenzen waren 18.600 Dienstnehmer betroffen, berichtet der KSV.
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Die Prognose für das kommende Jahr ist erfreulich: KSV-Chef Klaus Hierzenberger erwartet 25.000 Neugründungen und nicht ganz 5.000 Insolvenzen. Damit dürfte die Insolvenzkurve ihren Zenit erreicht
haben. Bereits im 4. Quartal 1999 ist die Zahl der Konkurseröffnungen deutlich zurückgegangen.
Mehr abgewiesene Konkurse registriert
Von den bisher 5.710 Gesamtinsolvenzen des heurigen Jahres · eine neue Rekordzahl · entfielen 2.649 (nach 2.887 im vergangenen Jahr) auf Konkurse bzw. Anschlußkonkurse und 69 (96) auf bereinigte
gerichtliche Ausgleiche. 2.992 (1.929) Konkursanträge wurden mangels Masse abgewiesen, gab Hierzenberger gestern, Mittwoch, in einem Pressegespräch die vorläufigen Zahlen bekannt.
Die geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten belaufen sich auf 37,3 Mrd. Schilling, nach 35,9 Mrd. Schilling im Jahr 1998. Die bisher drei größten Insolvenzfälle sind der Anschlußkonkurs der Holz-
Steiner/Teppichland & Fliesencity AG mit Passiva von 840 Mill. Schilling, der Konkurs der CHS Electronics GesmbH (735 Mill. Schilling) und der Anschlußkonkurs der J. L. Bacon GesmbH (694 Mill.
Schilling). Auf Platz 4 folgt der Wiener Rechtsnawalt Dr. Wolfgang Jeannee, der mit 600 Mill. Schilling Verbindlichkeiten in Kokurs ging.
Die meisten Verfahren gab es im Gastgewerbe (925), gefolgt von der Bauwirtschaft (889) und dem unternehmensbezogenen Dienstleistungsbereich.
Insolvenzquote beträgt 1,84%
Bei insgesamt 310.000 Unternehmen in Österreich liegt die Insolvenzquote 1999 bei durchschnitlich 1,84%. Das ist laut Hierzenberger viel zu hoch: "Die Quote sollte bei 1% liegen." Nach Branchen
gereiht ist die Bauwirtschaft mit einer Pleitenquote von 2,54% am anfälligsten für Insolvenzen. Der Bereich "Verkehr" · darunter befindet sich auch die Reisebürobranche · kommt auf 2,31%, gefolgt vom
Gastgewerbe mit 1,68%.
In den vergangenen zehn Jahren wurden in Österreich etwa 46.000 Insolvenzen gezählt · das sind 18% der Unternehmen, rechnete Hans-Georg Kantner, Leiter des Bereichs Insolvenzvertretungs- und
Treuhanddienste im KSV, den Journalisten vor. Neben konjunkturellen Einflüssen und den Sparbemühungen der Regierung waren auch strukturelle Defizite dafür verantwortlich, sagte Kantner.
Pleitenwelle dürfte den Zenit erreicht haben
Von Insolvenzen betroffen waren erneut in erster Linie Kleinst- und Kleinbetriebe. Es habe keinen einzigen Fall gegeben, wo mehr als 500 Dienstgeber betroffen waren, sagte Hierzenberger.
Die Zahl der Privatkonkurse, die heuer bei knapp über 3.000 (nach 2.500) zu liegen kam, werde im kommenden Jahr auf 3.500 steigen, lautet die Prognose des KSV. Viele ehemalige Unternehmer machten vom
Privatkonkurs Gebrauch.
Von den 2.200 "echten" Firmenneugründungen · Werkveträge, Betriebsübernahmen, Standortverlegungen wurden bereits abgezogen · entfielen 78% auf den nicht im Firmenbuch eingetragenen Einzelkaufmann.
Der Frauenanteil betrug 28%. Rund 50.000 Unternehmen in Österreich suchen in den kommenden sieben Jahren einen Nachfolger, schätzt der KSV.
Für 2000 kann der KSV keine Entwarnung geben. Das Y2K-Problem sei eine ernsthafte Belastungsprobe für die mittelständische Wirtschaft, so Kantner. Die Installation neuer Systeme und die fallweise
nötige Neuordnung der Daten könnte viele Arbeitstage kosten.
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