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Integration durch die Uni

Von Theresa Sophie Breitsching

Politik

Auch Wissenschaftsminister fordert eine Ausweitung der Rot-Weiß-Rot-Karte.


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Alpbach. Migration wird endlich akzeptiert, und: Damit Integration endlich gelingt, braucht es vor allem Bildung, Bildung und nochmals Bildung. So in etwa war der Tenor beim diesjährigen Fachhochschulforum in Alpbach. "Seit zwei, drei Jahren gibt es in der österreichischen Migrationspolitik ein Umdenken", betonte Heinrich Schmidinger, Präsident der Österreichischen Universitätenkonferenz. Die Bedeutung hochqualifizierter Zuwanderer nach Österreich werde längst nicht mehr in Frage gestellt. Jedoch müsse man auch "die Rolle der Uni beim Thema Migration endlich erkennen."

Schmidinger, wie auch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle traten in Alpbach beide für eine Ausweitung der Rot-Weiß-Rot Karte ein. Die Rot-Weiß-Rot-Karte ermöglicht qualifizierten Zuwanderern, nach Österreich zu kommen, auch wenn sie noch keine fixe Jobzusage haben. Schmidinger trat für die Ausdehnung der Rot-Weiß-Rot Karte auch für ausländische Bachelorabsolventen ein und stellte sich damit - unausgesprochen - hinter Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz, der eben diese Forderung kürzlich erhoben hat. Ausländischen Studenten, die in Österreich ausgebildet werden, müsse man den Einstieg in die Arbeitswelt vereinfachen, meinte auch Töchterle.

Dem positiven Paradigmenwechsel zum Trotz müsse man "das Wort Migration weiterhin von seiner negativen Konnotation befreien", meinte Silvia Nadjivan vom Institut für den Donauraum und Mitteleuropa. Es werde zwar "Mobilität gefordert, Migration hingegen negiert." Gerade durch die Bildung als Integrationstool müssten hier die Mauern eingebrochen werden.

Jedoch: "Bildung alleine reicht nicht", sagte Nadjivan. "Humankapital" sei zwar wichtig, aber es brauche auch soziales Kapital. Wenn Personen aus unteren Bildungsschichten zu studieren beginnen, sei das nicht der alleinige Garant für Jobaussichten. Die Bildung "kann hier allerdings ein guter Wegbereiter sein!" Doch von besonderer Bedeutung seien gerade auch soziale Netzwerke.

Positiv genützt werde Diversität mittlerweile in der Wirtschaft, ist Nadjivan überzeugt. Die Bedeutung von Mehrsprachigkeit stehe in wirtschaftlichen Betrieben immer mehr im Vordergrund. Wer einen internationalen Background hat, werde vor allem im Kundenbereich und Dienstleistungssektor eingesetzt. Allgemein werde gerade ein Wandel immer sichtbarer. Personen mit Migrationshintergrund gleichen sich in der Ausbildung jenen ohne Migrationshintergrund an, das abschätzige Image als "Gastarbeiter" ist bald Geschichte.

"Weltanschauung verändern"

Dass Bildung das wichtigste Mittel zur Integration ist, meinte schließlich auch Ursula Moser, Professorin am Institut für Romanistik an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Dabei ging es ihr aber mehr um die Kultur, als die Wirtschaft. Vor allem die Beschäftigung mit Literatur sei wichtig, da diese "die Weltanschauung verändern kann." Migrationsliteraturen seien heute ein weltweites Phänomen, das die Integration durchaus beeinflusse.

Migrationsliteratur könne Auslöser schöpferischer Prozesse sein. Durch Migrationsliteratur würden sprachliche Grenzen überschritten werden. Als Beispiel nannte Ursula Moser etwa die österreichische Schriftstellerin Julya Rabinowich, die 1977 aus der Sowjetunion nach Wien gekommen ist.

Literatur werde zum Erprobungsraum für Erfahrungen und Selbstreflexion. Sie bewirke, "dass Gesellschaften über sich nachdenken", fuhr Moser fort. "Zunächst identifiziert sich der Leser mit Migrationshintergrund mit der Geschichte, dann entdeckt er vielleicht Parallelen zu seiner eigenen Geschichte." Aber auch für Menschen ohne Migrationshintergrund sei diese Art von Literatur wichtig. Auch das trage zur Integration bei. Auch wenn solche Texte kritisch seien, würden sie "auf humorvolle Weise" zu einem besseren Verständnis anderer Kulturen beitragen.