)
Kanzlerin erneuert Kritik an Sarrazin. | Bildungsinitiative am Beispiel Neuköln. | Berlin. Thilo Sarrazin ist überall. Landauf, landab sind die Ansichten des Bundesbank-Vorstands zu Migration seit Tagen das Thema schlechthin: Deutschland ist in Aufregung. Erst am Freitag hat Kanzlerin Angela Merkel erneut erklärt, sie lehne die Thesen Sarrazins ab - diesmal in der türkischen Tageszeitung "Hürriyet". Die Äußerungen würden "ausgrenzend" wirken. "Ganze Gruppen fühlen sich dadurch verletzt." Integration sei "ein Geben und Nehmen": "Auf der eine Seite müssen wir offen sein für die, die zu uns kommen. Es müssen aber auch die deutschen Gesetze eingehalten werden. Und die deutsche Sprache gelernt werden."
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 15 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Am selben Tag veröffentlichte das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid eine Umfrage, wonach 63 Prozent nicht glauben, dass Deutschland "durch eine ungesteuerte Einwanderung dümmer wird", so wie dies Sarrazin behauptet. 31 Prozent fänden das schon. Und Bundespräsident Christian Wulff sagte: "Versäumte Anstrengungen bei der Integration müssen nachgeholt werden." Es müssten aber auch "klare Forderungen an Zuwanderer formuliert werden".
Mit all der Aufregung kann Thomas Helfer wenig anfangen. "Sinnvoll ist diese Debatte nicht. Unserer Arbeit bringt das nichts", sagt er. Helfer ist Quartiersmanager im Berliner "Problembezirk" Neukölln. Viele sind hier arbeitslos, die Kaufkraft ist vergleichsweise gering. Quartiersmanager wie Thomas Helfer nehmen mit den Bewohnern, mit Vertretern von Schulen und sozialen Einrichtungen Projekte in Angriff, etwa indem eine Bibliothek ordentlich ausgestattet oder ein Nachbarschaftsfest organisiert wird. Dafür gibt es staatliche Gelder.
"Wir in Neukölln sind lange über Debatten hinaus", sagt Helfer. "Wir handeln." So berichtet Helfer etwa von der Albert-Schweizer-Schule, die vor einigen Jahren kurz vor der Schließung stand. Nach wie vor sind 85 Prozent der Schüler mit "Migrationshintergrund". Damals aber machten die wenigsten Matura. Dann wandelte man die Schule in eine Ganztagseinrichtung um und kümmerte sich um Förderprogramme. Flugs stieg die Zahl der Abschlüsse an. "Die Kinder sind also bei weitem nicht dumm, wie Sarrazin erklärt", sagt Helfer. "Und vielleicht sind wir in den sogenannten Problemstadtteilen schon weiter, als man im restlichen Deutschland glaubt. Wir haben uns eben bereits auf den Weg gemacht, um etwas zu verbessern."
)
)
)