PodcastWer sich bei einer Entscheidung oder Beurteilung auf seinen "Bauch" beruft, braucht das nicht verschämt zu tun. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse begründen im Detail die alte Erfahrung, dass oft "der Bauch", also die Intuition, dem Kopf überlegen ist. Ganz davon abgesehen, dass die "Intelligenz des Unbewussten" unser tägliches Leben ohnehin weit mehr steuert und beeinflusst als es das rationale Denken tut.
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Was ist Intuition? Die Zeitschrift "Psychologie heute" zitiert dazu in ihrer dem "Bauchgefühl" gewidmeten Titelgeschichte ihrer neuesten Ausgabe den Kognitionsforscher Daniel Kahnemann (Universität Princeton, USA). Er charakterisiert das intuitive Denken als "wahrnehmungsähnlich, schnell und mühelos" - im Gegensatz zum logischen Denken, das meist anstrengend, aufwendig und langsam ist.
Der Mensch besitzt offenbar zwei weitgehend voneinander unabhängig operierende Systeme des Wahrnehmens und Denkens, die im Kopf auch unterschiedlich repräsentiert sind. Das "Chefsystem", das Bewusstsein, operiert vor allem in der linken Gehirnhälfte. Seine Arbeitsweise, die Logik, ist die bevorzugte Methode unseres Problemlösens.
Die eher "im Hintergrund" wirkende rechte Hälfte arbeitet komplex, integrativ, ganzheitlich, assoziativ und gefühlsbezogen. Kurz: sie ist intuitiv. Die Intuition wird weitgehend gespeist aus unseren Erinnerungen, Sinneseindrücken und Empfindungen. Sie bezieht ihren Rohstoff aus dem, was wir ständig lernen, ohne uns des Lernprozesses bewusst zu sein. Das Gelernte steht uns dann bei passender Gelegenheit plötzlich und unerklärlich zur Verfügung. So kommen wir oft bei banal erscheinenden Alltagsproblemen schnell und automatisch zu wichtigen und richtigen Lösungen.
Zu besonders guten intuitiven Lösungen kommen wir auf Gebieten, auf denen wir Experten sind. Schachmeister beispielsweise brauchen nur fünf Sekunden, um sich die Stellung der Figuren in einem fortgeschrittenen Spiel einzuprägen und die Partie "blind" fortzuführen. Diese Fähigkeit beruht auf tausenden gespielter und analysierter Partien und dem schnellen (Wieder-)Erkennen von Spielzügen. Erfahrene Ärzte oder Automechaniker sind zu ähnlichen intuitiven Schnelldiagnosen fähig.
Die Weisheit des Bauchs
Dass "der Bauch" bei alledem nicht nur eine Metapher ist, wurde in einer früheren Titelgeschichte des Magazins "Geo" über den Bauch als "Zweites Gehirn" detailliert aufgezeigt. Nach Erkenntnissen mehrerer Forscherteams werden Gefühl und Intuition von einem Nervengeflecht in dieser Körperregion mitgesteuert. Das "Bauchhirn" besitzt mehr als 100 Millionen Nervenzellen - mehr als im gesamten Rückenmark zu finden sind. Und es führen weit mehr Nervenstränge vom Bauch ins Kopfhirn als umgekehrt. 90 Prozent der Verbindungen laufen von unten nach oben. "Geo" zitiert u.a. den Forscher Emeran Mayer von der University of California mit der Aussage, dass unsere Evolution deshalb so erfolgreich sei, weil Emotionen - ob negativ oder positiv - uns erlauben, bessere Entscheidungen zu treffen.
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