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Internationalisierung im Irak soll Guerillakrieg stoppen

Von Edith Grünwald

Politik

In den USA wächst die Sorge, dass die amerikanischen und britischen Truppen im Irak die anhaltende Gewalt nicht mehr stoppen können und sich ein "Guerillakrieg" entwickelt. Mehr als 200 amerikanische Soldaten sind im Irak seit Beginn des Krieges getötet worden, über 60 davon seit dem Ende der schweren Kampfhandlungen am 1. Mai. Trotz hartem Durchgreifen der US-geführten Besatzungstruppen kommt es fast täglich zu neuen Anschlägen. Nun haben mehrere einflussreiche amerikanische Politiker die weitere Internationalisierung der Truppe durch Einbindung von NATO-Staaten und eine Verbreiterung der Wiederaufbau-Bemühungen gefordert.


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Der republikanische Senator John McCain, selbst Vietnam-Veteran, hat sich am Sonntag für die Beteiligung von Soldaten aus NATO-Ländern an der im Irak stationierten Truppe ausgesprochen. Auch den Wiederaufbau sollten die USA nicht alleine angehen, meinte McCain. Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Bill Frist, tritt ebenfalls für die stärkere internationale Beteiligung an den enormen Aufgaben im Irak ein.

Noch konkreter waren die Stellungnahmen von demokratischer Seite. Senator Joe Biden erklärte im TV-Sender Fox-News, wenn die Iraker auch Franzosen, Deutsche und Türken auf den Straßen treffen würden, die dort für Ruhe und Ordnung sorgen, dann würden sie die Amerikaner nicht mehr als "Besatzer", sondern als "Befreier" betrachten. Diese drei Staaten waren klare Gegner eines Krieges gegen den Irak. NATO-Generalsekretär Lord Robertson habe ihm bereits signalisiert, dass die Allianz zu einem Irak-Einsatz bereit sei, sagte Biden. Voraussetzung sei ein Ruf aus Washington.

Rund 150.000 US-Soldatinnen und Soldaten befinden sich im Irak, und die Sicherheitssituation scheint sich seit dem Ende der offenen Kampfhandlungen nicht wesentlich verbessert zu haben. Fast täglich kommen Meldungen über Angriffe aus dem Hinterhalt oder Sprengstoffattentate auf US-Truppen. Die Anschläge werden angeblich von Anhängern des gestürzten Staatschefs Saddam Hussein organisiert. Solange Saddam nicht gefasst sei, werde der Widerstand weitergehen, meint der irakische Oppositionsführer Ahmed Chalabi.

In Bagdad rufe eine bisher unbekannte "Irakische Befreiungsarmee" zu Anschlägen gegen die "amerikanischen Hunde" auf, berichtet die "Washington Post". Auf einem Flugblatt werden die ehemaligen Angehörigen von Saddam Husseins Sicherheitskräften aufgefordert, den US-Soldaten einen "höllischen Krieg" zu bereiten.

Ein hoher US-Vertreter berichtete hingegen der Zeitung, die meisten Attentate würden nicht von Baath-Parteimitgliedern oder Angehörigen von Saddams Republikanischer Garde, sondern von angeheuerten jungen Irakern ausgeführt, die sich ein paar Dollar verdienen wollten. Dass manche der Anschläge vielleicht weniger aus politischen Motiven heraus geschehen, sondern schlichte persönliche Racheakte sein könnten, wird bisher kaum in Betracht gezogen. Im Irak-Krieg sind Tausende Zivilisten durch Kämpfe und Bombardements getötet worden. In einem Land, wo in vielen Haushalten Waffen vorhanden sind oder diese nach dem Zusammenbruch der irakischen Armee leicht zugänglich wurden, könnten einige Attentate auch Vergeltung für tote Angehörige oder Freunde sein. Ob eine weitere Internationalisierung der US-geführten Truppen diese Taten verhindern kann, scheint zweifelhaft.

Japan will mehr als 1000 Soldaten im Irak stationieren. Die ersten 500 sollen Anfang Oktober eintreffen. Die multinationale Truppe in der polnischen Verwaltungszone soll am 1. September einsatzbereit sein.