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Interner Kirchenzwist vor Eskalation?

Von Katharina Schmidt

Politik

Schönborn und Schüller streiten über Kirchenreform. | Kirchenrebell Hurka: "Schönborn ist überheblich."


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Wien. Priestermangel, Missbrauchsskandale und eine nur langsam wieder rückläufige Zahl an Austritten - die katholische Kirche hat mehr als nur ein Problem. Dazu scheint sich jetzt noch der Streit mit den internen Kritikern zuzuspitzen. Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn hat der Pfarrerinitiative rund um den ehemaligen Generalvikar Helmut Schüller "eine Entscheidung" nahegelegt. Schüller kann dies nicht akzeptieren und will weiter für eine Reform der Kirche kämpfen.

Der Reihe nach: In einem "Aufruf zum Ungehorsam" erklärten die Pfarrer im Juni unter anderem, sie würden auch Wiederverheirateten die Eucharistie nicht verweigern und sich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt aussprechen. "Die römische Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform und die Untätigkeit der Bischöfe" zwänge sie dazu, "dem Gewissen zu folgen und selbständig tätig zu werden", hieß es.

Nachdem bereits damals heftige Kritik aus den Diözesen gekommen war, trafen sich Vertreter der Initiative am 10. August mit Kardinal Schönborn. Letzterer verordnete den rebellischen Pfarrern eine Nachdenkpause und gab ihnen mehrere Fragen mit auf den Weg, die sie bis zu einem neuen Gesprächstermin im Herbst beantworten sollten.

Lösung von Bischof "nicht vorgesehen"

Wenn Schüller oder ein anderes Mitglied der Initiative "den Dissens in substanziellen Fragen aufrechterhält, muss er sich natürlich die Frage stellen, wie sein weiterer Weg in dieser Kirche und in diesem Amt aussieht", sagte Schönborn im "Standard". Sein Sprecher präzisierte: Dass sich ein Priester in wichtigen Vorgaben von seinem Bischof löst, sei in der katholischen Kirche "nicht vorgesehen". Die Wiener Vorstandsmitglieder der Pfarrerinitiative müssten sich nun überlegen, wo sie stehen und ob sie den im vergangenen Jahr von Schönborn eingeleiteten Reformprozess "Apostelgeschichte 2010" mittragen wollten.

Eine deutliche Rücktrittsaufforderung, der Schüller keinesfalls nachkommen will: Er könne diese Frage "nicht akzeptieren, weil wir uns als fester Bestandteil der Kirche sehen", sagte er zur "Wiener Zeitung". Schönborn werde diese Entscheidung schon selbst treffen müssen. Auch den "Aufruf zum Ungehorsam" will Schüller nicht zurückziehen. Denn die darin formulierten "dringenden Reformanliegen" kämen in der "Apostelgeschichte 2010" nicht vor.

Unterstützt wird der Probstdorfer Pfarrer von anderen Kirchenrebellen, darunter Hans Peter Hurka von der Plattform "Wir sind Kirche". Schönborn verlange von den Pfarrern Gehorsam gegen ihre Gewissensentscheidung. Wer sich aber auf sein Gewissen beruft, berufe sich auf die Stimme Gottes. "Es ist also überheblich, wenn Schönborn sagt, dass er es besser weiß", meinte Hurka. Er glaubt, dass rund 80 Prozent der Gläubigen hinter den Forderungen Schüllers stehen.

Von Amtsenthebung bis zu Exkommunikation

Wie es nun weitergehen soll, ist unklar. Sollte es zu kirchenrechtlichen Sanktionen gegen Schüller kommen, so ist von einer Enthebung aus dem Probstdorfer Pfarreramt über eine Zurücksetzung in den Laienstand bis hin zur Exkommunikation alles möglich. Von juristischen Konsequenzen sei man derzeit aber "weit entfernt", hieß es aus Schönborns Büro. Seine Kritik zurückschrauben oder gar sein Amt aufgeben wird Schüller aber auch nicht, so viel ist fix.