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Interview mit Peter Ostendorf:: Ankerbrot bis auf "rote Null" saniert

Von Sissi Eigruber

Wirtschaft

Vor gut eineinhalb Jahren hat der deutsche Unternehmer Klaus Ostendorf das in den Ausgleich geschlitterte Wiener Traditionsunternehmen Ankerbrot übernommen. Die endgültige Bilanz für 2004 liegt noch nicht vor, aber man werde eine "rote Null" erreichen, erklärt Sohn Peter Ostendorf, Vorstand für Vertrieb und Produktion, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".


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"Wiener Zeitung": Mit 1. Juli 2003 hat Ihr Vater über die Salos Beteiligungsverwaltungs GmbH die Ankerbrot-Anteile vom deutschen Großbäcker Müller-Brot übernommen. War das eine gute Entscheidung?

Peter Ostendorf: Ja. Der Sanierungsfortschritt ist so verlaufen so, wie wir es geplant haben.

"Wiener Zeitung": Das heißt in Zahlen ...

Peter Ostendorf: ... dass wir eine 'rote Null' erreichen werden. Mit dem Betriebsergebnis sind wir seit dem zweiten Halbjahr 2004 in den schwarzen Zahlen. Den Umsatz konnten wir nicht ganz halten. Er wird mit 120 Mio. unter den 128 Mio. Euro im Jahr 2003 liegen.

"Wiener Zeitung": Im vergangenen Jahr wurde vor allem restrukturiert. Es wird nur mehr in einem statt bisher vier Gebäude produziert. Ein Teil des Geländes wird abgegeben ...

Peter Ostendorf: ... ja, insgesamt haben wir die Produktionsfläche von 70.000 auf 30.000 Quadratmeter reduziert. Zudem haben wir in neue Maschinen und die Verbesserung der Produktionsabläufe investiert.

"Wiener Zeitung": Wie wird es 2005 bei Ankerbrot weiter gehen?

Peter Ostendorf: Abhängig von der Finanzierungsmöglichkeit wollen wir innerhalb der nächsten zwei Jahre weitere 5 bis 10 Mio. Euro investieren, z.B. für neue Maschinen. Den Fuhrpark haben wir bereits erneuert. Per 1. Jänner 2005 haben wir die Mühle am Gelände geschlossen, weil sie nicht mehr den aktuellen Lebensmittel- und Qualitätsrichtlinien entsprochen hat. Bisher haben wir Getreide aus Österreich gekauft, jetzt kaufen wir Mehl aus Österreich.

"Wiener Zeitung": Woher kommen die anderen Rohstoffe?

Peter Ostendorf: Wir kaufen fast alle Rohstoffe in Österreich. Alles andere macht keinen Sinn - der Transport würde die Produkte sehr, sehr teuer machen.

"Wiener Zeitung": Werden Sie weitere Filialen schließen oder neue eröffnen?

Peter Ostendorf: Wir haben nach der Übernahme 20 Filialen, vor allem in und um Innsbruck, geschlossen und uns auf Ostösterreich konzentriert. Das hat logistische Vorteile: Wir müssen die Ware nicht mehr durch ganz Österreich transportieren. Dadurch konnten wir die Kosten senken und es bringt Qualitätsvorteile: Die Waren können frischer geliefert werden. Seither haben wir 180 Standorte. Dabei wird es bleiben. Eventuell werden in Wien neue Filialen eröffnen.

"Wiener Zeitung": Wo gibt es jetzt noch Filialen außerhalb von Wien?

Peter Ostendorf: In der Steiermark gibt es fünf Ankerbrot-Filialen, in Niederösterreich vier.

"Wiener Zeitung": Wie stark ist die Konkurrenz ihrer Mitbewerber?

Peter Ostendorf: Dazu kann ich nur sagen: Wir kümmern uns um uns.

"Wiener Zeitung": Mit 180 Filialen ist Ankerbrot jedenfalls mit Abstand am größten ...

Peter Ostendorf: Ja, an zweiter Stelle liegen "Der Mann" mit rund 60 Standorten, dann "Ströck" mit etwa 50 und die "Bäckerei Felber" mit 30 Filialen. Dann gibt es noch eine Anzahl von kleineren, wie die "Bäckerei Schwarz" und so weiter. Trotz unserer Größe haben wir gegenüber den Mitbewerbern einen Wettbewerbsnachteil: Unsere Mitarbeiter sind im Industrie-Kollektivvertrag, während die Mitbewerber laut Gewerbe-Kollektivvertrag arbeiten. Das bringt für uns Kostennachteile, unter denen Ankerbrot auch schon vor der Übernahme gelitten hat. Gegenüber unseren Mitbewerbern ist das jedenfalls eine Wettbewerbsverzerrung.

"Wiener Zeitung": Wird Ankerbrot in Wien bleiben oder denken sie auch über andere Standorte für die Produktion nach?

Peter Ostendorf: Ich gehe davon aus, dass wir in Wien bleiben, solange man uns lässt.

"Wiener Zeitung": Was meinen Sie mit "so lange man uns lässt"?

Peter Ostendorf: Wir befinden uns auf einer Industriefläche mitten im 10. Bezirk, und wir produzieren rund um die Uhr - also auch in der Nacht. Derzeit gibt es zwar keine Beschwerden, aber wer weiß schon, was in 5 oder 10 Jahren sein wird. Wir wollen im 10. Bezirk bleiben. Der Standort Wien ist für Ankerbrot wichtig.

"Wiener Zeitung": Wieviel wird noch in Wien produziert, und wieviel lassen Sie zuliefern?

Peter Ostendorf: Entgegen anders lautender Gerüchte produzieren wir 99% unseres Sortiments in Wien. Zugekauft werden nur saisonal einzelne Produkte.

"Wiener Zeitung": Die Ankerbrot-Ausgleichsquote von 40% wurde auf vier Tranchen aufgeteilt. Zwei wurden bereits bezahlt, wann folgen die restlichen?

Peter Ostendorf: Im März dieses Jahres ist die nächste fällig, und die wird auch bezahlt. Die letzte Teilzahlung wird im September 2005 folgen.

Das Gespräch führte Sissi Eigruber