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Intrigen am Arbeitsplatz

Von Helene Kurz

Wirtschaft

Jeder Dritte fühlt sich schikaniert. | Ein Mobbing-Fall kostet Firmen bis zu 50.000 Euro pro Jahr. | Wien . Intrigen, Gerüchte, Getuschel das Verhalten unter Arbeitskollegen ist nicht immer kameradschaftlich. Es beginnt meist harmlos, ein kleiner Scherz, eine Bemerkung im Vorbeigehen, doch aus der kleinen Hänselei kann sich echter Psychoterror entwickeln.


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Mobbing-Handlungen haben das Ziel, den Betroffenen systematisch auszugrenzen und seine Stellung im Unternehmen zu untergraben, weiß Peter Hoffmann von der Arbeiterkammer Wien (AK). Mobbing kommt überall vor, sowohl in der Privatwirtschaft als auch im Öffentlichen Dienst und häufig einfach, "weil manchen fad ist", so der Experte. Strategische Ausgrenzung ist verstärkt in Unternehmen zu finden, die gerade Umstrukturierungen durchführen. Hier gilt es, die eigene Position zu sichern und sprichwörtlich "ums Leiberl zu raufen", sagt der AK-Psychologe.

Wie viele Arbeitnehmer tatsächlich betroffen sind, kann nicht festgestellt werden, da es keine aussagekräftigen Erhebungen gibt. Nach einer aktuellen Online-Umfrage der Karriereportale Monster und Jobpilot hat jeder dritte österreichische Arbeitnehmer Erfahrungen mit seelischer Gewalt am Arbeitsplatz gesammelt. Frauen und Männer leiden gleichermaßen unter den Schikanen ihrer Kollegen, je 35 Prozent werden im Job attackiert, erklärt Maria Grossauer von Jobpilot. Laut AK leiden hingegen rund 2 Prozent aller unselbständig Beschäftigten im Laufe ihrer Erwerbstätigkeit unter dem Verhalten ihrer Kollegen. Europaweit sind es rund 8 Prozent aller Arbeitnehmer.

Jeden und Jederzeit

Mobbing kann jeden jederzeit treffen. Eines steht fest: Mobbing macht krank und das sowohl physisch als auch psychisch. Der anhaltende Psychoterror lässt die Betroffenen an sich selbst zweifeln, führt zu Angstzuständen und Selbstmordgedanken, meint Christa Kolodej von der Beratungsstelle "Work & People". Psychosomatische Reaktionen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit bis hin zur dauerhaften Depression sind die Folge. Die Expertin empfiehlt deshalb externe Hilfestellung in Anspruch zu nehmen. Der Hauptgrund für Mobbing ist eine schlechte Konfliktbewältigung. Tägliche Konflikte werden nicht gelöst und bleiben unausgesprochen. Vorgesetzte sollten daher lernen, mit Konflikten umzugehen, weil dadurch Reibungsverluste minimiert werden könnten, sagt Hoffmann. Auch interne Richtlinien für den Umgang miteinander wären hilfreich, vorausgesetzt diese werden eingehalten.

Mobbing ist kostspielig

Konflikte sind nicht nur schädlich für das Betriebsklima, sondern auch für das Unternehmen selbst. Klappt es zwischenmenschlich nicht mehr, dann kostet das nicht nur Nerven, sondern auch Geld. Neben oft teuren Gerichts- und Schiedsverfahren führen Konflikte am Arbeitsplatz zu hohen Fehlzeiten und Krankenständen sowie sinkender Leistung. Ein Mobbing-Fall kann ein Unternehmen bis zu 50.000 Euro pro Jahr kosten, erklärt Hoffmann. Hochgerechnet kommt man so auf einen volkswirtschaftlichen Schaden von 1,5 bis 2 Milliarden Euro pro Jahr.

Rechtliche Sicht

Mobbing ist kein Rechtsbegriff, d.h. es gibt keine rechtliche Definition und keinen Straftatbestand dagegen. In Österreich existiert kein entsprechendes Gesetz wie in Frankreich, weiß Kolodej. Relevant können Schikanen unter Arbeitskollegen daher nur werden, wenn einzelne Mobbing-Handlungen so massiv sind, dass sie strafrechtlich verfolgt werden könnten. Arbeitsrechtlich gesehen trifft jeden Arbeitgeber grundsätzlich eine Fürsorgepflicht gegenüber dem Arbeitnehmer. Diese Fürsorgepflicht umfasst auch ein Tätigwerden des Arbeitgebers gegen Mobbing-Handlungen seiner Dienstnehmer, erklärt die Psychologin.