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Auf dem Immobilienmarkt sind junge Familien besonders betroffen. Mietwohnungen sind oft die einzige Alternative zu Wohneigentum. Hier ist die Politik gefordert.
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Die Zinswende ist angekommen. Um der steigenden Inflation entgegenzuwirken, hat die EZB im Juli erstmals seit 2011 die Leitzinsen auf 0,5 Prozent erhöht. Die Zinsen steigen also, insbesondere die Fixzinssätze sind bereits spürbar gestiegen. Daran wird sich aus heutiger Sicht in den nächsten Monaten auch nichts ändern, ganz im Gegenteil, es ist mit weiteren Zinsschritten nach oben zu rechnen.
Natürlich wird die Zinserhöhung gerade für junge Familien den Immobilienkauf spürbar erschweren. Hier ist das monatliche Haushaltseinkommen oft begrenzt, und die Banken sind sehr vorsichtig bei der Kreditvergabe. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass Zinsen von zu Beispiel
3 Prozent historisch gesehen noch immer kein hohes Niveau haben. Wir sind es nur im Moment nicht gewohnt.
Es wird wohl in Zukunft mit einem höheren Eigenkapitalanteil finanziert werden müssen, auch um die monatliche Belastung tragen zu können. Aber auch die strengeren Kreditvergaberichtlinien mit August wirken in dieselbe Richtung. Diese werden für einige Immobilienkäufer die Finanzierung beziehungsweise Schaffung von Wohnungseigentum erschweren und können zu kleineren Finanzierungsrahmen und kleineren Objekten führen.
Es wird aber auch dazu führen, dass Mietwohnungen wieder vermehrt in den Fokus rücken und für viele Menschen in Österreich zwangsläufig die einzige Alternative zur Eigentumswohnung oder zum Einfamilienhaus sind. Aber gerade für Jungfamilien wäre es wichtig, rechtzeitig Wohnungseigentum zu schaffen. Das sollte entsprechend unterstützt beziehungsweise gefördert werden - hier ist die Politik gefordert. Die aktuell massiv steigenden Energiekosten erschweren die Schaffung von Wohnungseigentum zusätzlich.
Der Zinsanstieg kombiniert mit Lieferproblemen, steigenden Material- und Personalkosten am Bau und dem Handwerkermangel bewirkt, dass die Nachfrage nach Immobilien leicht zurückgeht, aber noch immer auf einem sehr hohen Niveau ist. Seit Jahren war der Immobilienmarkt ein Verkäufermarkt - die Nachfrage überwiegt also deutlich das Angebot.
Diese Tatsache wird auch in naher Zukunft den Markt beherrschen. Aktuell ist die Marktsituation bei Kaufobjekten in allen Bundesländern ähnlich. Die Nachfrage ist auf hohem Niveau, das Angebot ist weiterhin knapp, auch wenn sich eine leichte Entspannung abzeichnet, und die Preise für Eigentum sind auf einem Höchststand. Die stark steigende Preiskurve der vergangenen Jahre bei Wohnimmobilien sollte sich aus heutiger Sicht, unter anderem auch aufgrund des leicht steigenden Angebots, im zweiten Halbjahr 2022 etwas abflachen.
Leicht rückläufige Mietpreise, stark steigende Betriebskosten
Im Bereich der Mietwohnungen gibt es bei Neuvermietungen seit geraumer Zeit eine Stagnation beziehungsweise leicht rückläufige Mietpreise, auch in Ballungsräumen. Der Anstieg der laufenden Betriebskosten, vor allem aber die stark steigenden Energiekosten sind auch hier eine große Herausforderung.
Dass das Preisniveau nicht überall gleich ist, ist bekannt. Am teuersten ist es in der Wiener Innenstadt, in Innsbruck, Bregenz, der Stadt Salzburg beziehungsweise den Top-Wintersportdestinationen wie im Raum Kitzbühel, am Arlberg und im Salzburger Pongau sowie in den Regionen mit einer malerischen Seekulisse, wie zum Beispiel am Wörthersee, am Bodensee oder an einigen Seen im Salzkammergut. Die günstigsten Plätze zum Wohnen in Österreich sind im Waldviertel, im Südburgenland und in den angrenzenden Bezirken der Steiermark zu finden.
Während auf der einen Seite höhere Kreditzinsen dazu führen, dass Menschen, die bei Investitionen auf Kredite angewiesen sind, ihre Investitionen verschieben, reduzieren oder davon Abstand nehmen müssen, ist die erwartete Inflation Anreiz für viele, die über ausreichend Eigenkapital verfügen, denen Aktienmärkte aber zu volatil oder spekulativ sind, in "feste Werte" zu investieren.
Sie spekulieren darauf, dass die Inflation ihren Tilgungsbetrag gehörig reduzieren wird, so wie es bei den Staatsfinanzen der Fall ist. Die überwiegende Mehrheit investiert in Sachwerte und dabei besonders gerne in Immobilien. Denn langfristig haben sich Immobilien als recht krisensicher erwiesen, sofern sie dem ewigen Grundsatz "Lage, Lage, Lage" genügen. Dies sehen auch Fonds und Lebensversicherer so, die die Gelder oftmals in Immobilienprojekte investieren.
Auch die Generation der Erben, die oftmals hohes Eigenkapital mitbringt, ist nicht zu vernachlässigen. Sie verfügen mitunter über eine beachtliche Starthilfe, sei es in Form von finanzieller Unterstützung durch die Eltern beziehungsweise Großeltern oder von Erbschaften wie zum Beispiel Immobilien, die verkauft werden, um dort, wo sie ihren Lebensmittelpunkt etablieren wollen, entsprechend leichter und/oder mehr investieren zu können.

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