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Investoren-Gruppe um Pecik will Telekom künftig kontrollieren

Von Kid Möchel

Wirtschaft

Vor Jahren landete Pecik bei der VA Tech einen Coup - eine Vorlage für die Telekom.


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Wien. Das Management der börsenotierten Telekom Austria muss sich anscheinend warm anziehen. Denn der gewiefte Investor Ronny Pecik, der am Montag dem Vernehmen nach nur den ersten Schritt seines Stufenplans in Sachen Telekom-Engagement bekanntgab, er hat Optionen auf 5,4 Prozent der Telekom-Aktien, soll eine genaue Vorstellung haben, was man aus dem ehemaligen Monopolbetrieb alles machen kann.

Der gebürtige Kroate und "leidenschaftliche Österreicher" (Originalton Pecik), der über ein Vermögen von 300 bis 500 Millionen Euro verfügt, will bei der Telekom "aktiver Shareholder" werden. Das wird in Peciks Umfeld bestätigt.

Parallele VA-Tech

So soll er seinen aktuellen Generalstabsplan in Sachen Telekom an seinen erfolgreichen Masterplan bei der VA Tech im Jahr 2003/04 anlehnen. Damals ist es der Victory Beteiligungs AG um Pecik und Mirko Kovats gelungen, als größter Einzelaktionär mit einem Anteil von etwa 19,5 Prozent und mit massiver Überzeugungskraft eine satte Mehrheit gegen eine geplante Kapitalerhöhung in einer Hauptversammlung zu formen. Außerdem wurden der Aufsichtsrat und der Vorstand neu bestellt.

2004 haben Kovats und Pecik ihre Victory-Anteile an der VA Tech an Siemens verkauft und als Hälfte-Hälfte-Partner Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe eingestrichen. Die ÖIAG hielt damals 14,7 Prozent an der VA Tech, einst größter Technologiekonzern Österreichs. Die ÖIAG agierte damals "vorsichtig ausgedrückt ungeschickt", lautete das damalige Resümee des Anlegervertreters Wilhelm Rasinger. Pecik und Kovats hätten diese Schwäche professionell ausgenützt. "Auch Siemens schlief und brauchte das Duo Pecik/Kovats, um zu erkennen, dass die VA Tech ein attraktives Akquisitionsziel ist", meinte Rasinger.

Heute ist die ÖIAG mit 28,42 Prozent der größte Einzelaktionär der Telekom Austria.

Pecik, der bei seinem Telekom-Deal nicht nur eigenes Geld, sondern anscheinend auch auf Vermögen des früheren Orascom-Eigners Naguib Sawiris zugreifen kann, will die Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie), also fast 111 Millionen Aktien des börsennotierten Konzerns, übernehmen und dann kräftig umrühren.

Die geschäftliche Fantasie, die die Telekom für Pecik & Co. ausübt, ist der Ausbau des Glasfaserkabelnetzes, der in zwei Jahren abgeschlossen sein soll. Demnach wird laut Insidern nicht nur der Datenfeed, sondern auch der Cashflow der Telekom, sprich der aus der Geschäftstätigkeit erzielte Nettozufluss liquider Mittel, stark verbessert. Diese moderne Infrastruktur werden auch die Mitbewerber gegen Entgelt nutzen.

"Das Unternehmen braucht ein bisschen mehr Drive" heißt es im Umfeld Peciks. "Man muss dem Management klar machen, dass sie nicht der Eigentümer sind, und dem Staat, dass er in Form der ÖIAG nicht fähig ist, das Unternehmen zu führen." Nachsatz: "Die ÖIAG wird sich über ihre Rolle klar werden müssen."

Wie schon bei der VA Tech soll Pecik schon über das künftige Management und den Aufsichtsrat seine Vorstellungen haben, wissen Insider. Neben dem Glasfasernetz gibt es eine zweite geschäftliche Fantasie. "Die Telekom Austria braucht einen Partner", heißt es in Peciks Umfeld in Anspielung auf die internationalisierte Telekommunikationsbranche.

"Das hat was für sich. Denn ob das mittelgroße Konstrukt Telekom langfristig Bestand hat, ohne irgendwo angelehnt zu sein, ähnlich wie bei den Fluglinien, ist eine Überlegung wert", sagt Aktionärsvertreter Wilhelm Rasinger. "Wenn man aber das Management ersetzen will, muss man Bessere im Talon haben, das ist nicht einfach."