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Irak, Terrorangst und Skandale dämpfen die Weltwirtschaft

Von Christiane Oelrich

Wirtschaft

Der Ölpreis steigt, die Aktienkurse sinken, und weltweit reduzieren die Forschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen. Das amerikanische Säbelrasseln gegenüber dem Irak, der nahende Jahrestag der Terroranschläge und der tiefe Schock über die gigantischen Schwindeleien bei den einstigen Vorzeigekonzernen der Wall Street verunsichern die Anleger in aller Welt.


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Beim Internationalen Währungsfonds (IWF) brüten die Volkswirte über den Hiobsbotschaften. Fest steht, dass die Prognosen zur Jahrestagung in vier Wochen für die meisten Länder nach unten korrigiert werden müssen. In Deutschland nimmt der IWF für 2002 nur noch ein Wachstum von 0,7% an nach 0,9% im Frühjahr. Die Prognose für die USA dürfte um 0,1 Prozentpunkte auf 2,1% korrigiert werden.

Auch das deutsche ifo-Institut konstatiert eine Verschlechterung des Weltwirtschaftsklimas. Der Indikator, der die Einschätzung von über 1.000 Experten in 90 Ländern misst, fiel im Juli von 104,7 auf 101,1 Punkte. "Die US-Wirtschaft ist praktisch flach, Südamerika ist im Stress, die Eurozone müht sich um Rückkehr auf einen soliden Wachstumspfad - der einzige Lichtblick ist Asien ohne Japan", sagt der ehemalige Notenbanker Laurence Meyer im "Wall Street Journal".

Die Stimmung der Unternehmer sei von einem "Gefühl des Pessimismus und einer Abneigung gegen Risiken" gekennzeichnet. Der bevorstehende Jahrestag der Terroranschläge drückt die Stimmung der Verbraucher dies- und jenseits des Atlantiks. Bei vielen kommen Ängste vor weiteren Attacken hoch. Hinzu kommt die Sorge vor einem neuen Krieg. "Ich werde ständig auf die Irak-Politik angesprochen. Die Leute sind besorgt", sagt der demokratische Minderheitenführer im US-Abgeordnetenhaus, Richard Gephardt. Wenn die US-Verbraucher nicht bei der Stange bleiben, sieht es düster aus für den US-Aufschwung. Sie tragen mit ihren Ausgaben zwei Drittel zur Wirtschaftsleistung bei. Weil die USA der Motor der Weltwirtschaft sind, könnte sich ein Rückzug der Konsumenten weltweit bemerkbar machen. Auch die Skandalwelle bei ehemaligen Börsenriesen wie Enron oder WorldCom hat viele verunsichert. Mehr als die Hälfte der Amerikaner besitzt Aktien - zur Finanzierung des Lebensabends. Nun haben die Kurseinbrüche das meiste weggefressen - es wird gespart.

Dass es der US-Regierung mit einem Schlag gegen den Irak ernst ist, machte US-Vizepräsident Richard Cheney überdeutlich. Prompt zogen die Ölpreise, die heuer schon fast 50% zugelegt hatten, weiter an. Irak ist der viertgrößte Ölproduzent der Welt und sitzt auf rund 10% der weltweiten Ölvorräte. "Wir haben genug Öl, um den Weltmarkt zu versorgen", beruhigte dagegen OPEC-Präsident Rilwanu Lukman am Rande des UN-Gipfels in Johannesburg.