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Iran Air rächt sich: AUA in Teheran nicht mehr betankt

Von Arian Faal

Wirtschaft

Pro Woche nur noch drei statt fünf Flüge Wien-Teheran. | AUA muss künftig in Baku auftanken. | Paris/Teheran/Wien. Die AUA wurde gestern, Dienstag, zum letzten Mal im Iran betankt. Schon ab heute, Mittwoch, muss sie ihren Flugplan umstellen: Sie wird künftig nur noch drei statt fünf Mal pro Woche nach Teheran fliegen und muss auf dem Rückweg einen Zwischenstopp in Baku (Aserbaidschan) einlegen, um dort aufzutanken. Geflogen wird Mittwoch, Freitag und Sonntag - die neue Regelung gilt vorerst bis 8. Mai. Dies bestätigte AUA-Sprecher Michael Braun auf Anfrage der "Wiener Zeitung". Für die AUA bedeutet das erhebliche Mehrkosten - nicht nur wegen des Umwegs, sondern weil künftig auch die Besatzung der Flugzeuge in Baku ausgewechselt werden muss.


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Betroffen sind neben der AUA insgesamt zwei Dutzend Fluggesellschaften. Grund ist eine Retourkutsche: Die Iran Air wird in den westlichen EU-Ländern wegen des Atomstreits und den damit in Zusammenhang stehenden US-Sanktionen seit Monaten nicht mehr betankt.

Auch die österreichische OMV hat - wie die "Wiener Zeitung" berichtete - ihre Verträge mit der Iran Air Ende März nicht mehr verlängert. Daraufhin holten die Perser zum Gegenschlag aus: Kurz vor Beginn der passagierreichen Sommersaison hat Teheran beschlossen, ebenfalls keine Flugzeuge europäischer Fluggesellschaften mehr auf iranischem Territorium betanken zu lassen.

Passagiere erzürnt: "Es ist ein Wahnsinn"

Konkret hat dies zur Folge, dass in Hinkunft nicht nur Iran-Air-Flugzeuge auf dem Weg nach Europa zum Beispiel in Budapest, wo russische Energieriesen die Flieger ungeachtet der US-Sanktionen nach wie vor betanken, Tankstopps einlegen müssen, sondern auch die großen europäischen Fluggesellschaften.

"Es ist ja ein Wahnsinn, bald muss man sich fragen, aus welchen Ländern man in Westeuropa noch direkt nach Teheran kommt", empört sich Soraya S., die seit 15 Jahren jeden Sommer aus Deutschland in den Iran fliegt, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Ganz unrecht hat sie nicht. Die niederländische KLM, die schon seit Monaten nicht mehr im Iran betankt wird, fliegt seither immer über den Tankstopp-Umweg Athen. Die mit ihr fusionierte Air France fliegt Teheran gar nicht mehr an. Will jemand von Paris nach Teheran, muss er entweder mit der Iran Air mit Tankstopp reisen oder zuerst nach Amsterdam fliegen, in die KLM umsteigen und dann über Athen nach Teheran fliegen. Und das alles kann dauern.

Auch die deutsche AUA-Mutter Lufthansa, die täglich nach Teheran fliegt, wurde vergangene Woche darüber informiert, dass deutsche Flugzeuge nicht mehr betankt werden. Sie setzt derzeit Flugzeuge der Type Boeing 747 ein, die nach Teheran ohne Tankstopp auskommen. Dennoch sieht man sich bereits eilig nach einem Tankstopp außerhalb Irans um.

Eigentlich war erwartet worden, dass die AUA vom Tankboykott womöglich verschont bleiben könnte, weil sie die Strecke Wien-Teheran in einem Codeshare-Abkommen mit Iran Air geflogen war: 12 bis 20 Plätze in jedem Flieger waren bisher für die Perser reserviert. Seit Dienstag ist klar: Iran Air macht deshalb keinen Unterschied.