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Allen Forderungen der internationalen Gemeinschaft zum Trotz hat der Iran mit den Arbeiten zur Anreicherung von Uran begonnen. Nur drei Tage nach der Resolution der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA) erklärte Vizepräsident Reza Aghazadeh, dass erste Tests zur Umwandlung von Natur-uran in das gasförmige Uranhexafluorid erfolgreich verliefen.
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Von mehr als 40 Tonnen an verfügbarem Natururan sei bereits einiges für die Umwandlung verwendet worden, sagte Aghazadeh vor Journalisten in Wien. Uranhexafluorid kann in Zentrifugen so sehr konzentriert werden, dass es entweder als Brennstoff für Atomkraftwerke oder aber auch für den Bau von Atomsprengsätzen verwendet werden kann. Die iranische Regierung besteht darauf, dass sie die Technik zur Urananreicherung für die Stromerzeugung benötige, die internationale Staatengemeinschaft fürchtet hingegen, dass Teheran ein geheimes Programm zur Herstellung von Nuklearwaffen betreibt.
In Teheran betonte der iranische Präsident Mohammed Khatami am Dienstag während einer Militärparade, dass sein Land unter allen Umständen an seinem Atomprogramm festhalten werde und dafür auch ein Ende der Zusammenarbeit mit der IAEA in Kauf nehmen würde. Damit bekräftigte er, was zuvor bereits Irans Chefunterhändler bei der IAEA, Hassan Rohani, in Wien gesagt hatte. Zugleich versicherte Khatami, das iranische Nuklearprogramm sei ausschließlich für friedliche Zwecke bestimmt. "Wir haben eine Entscheidung getroffen: ja zu friedlicher Nukleartechnologie, nein zu Atomwaffen". Die IAEA müsse das Recht des Irans auf eine friedliche Nutzung von Atomenergie anerkennen, um "den Weg für mehr Verständnis und Kooperation zu öffnen". Die Behörde müsse daher entweder ihre Forderungen an den Iran zurücknehmen oder mit einem Ende der Kontrollbesuche rechnen: "Wir haben unsere Entscheidung getroffen. Jetzt ist es an anderen, ihre Entscheidung zu treffen", sagte Khatami.
Die IAEA hatte den Iran am Samstag wie berichtet aufgefordert, alle Aktivitäten zur Anreicherung von Uran einzustellen. Sollte Teheran diese Forderung nicht bis 25. November erfüllen, könnte der IAEA-Gouverneursrat den Konflikt vor den Weltsicherheitsrat bringen. Rohani hatte daraufhin erklärt, in diesem Fall werde der Iran die Inspektoren der IAEA nicht mehr in seine Atomanlagen lassen.
Das Land hatte sich im vergangenen Jahr nach einer Vermittlungsmission von Deutschland, Frankreich und Großbritannien dazu bereit erklärt, entsprechend dem Zusatzabkommen zum Atomsperrvertrag Inspektoren der IAEA jederzeit auch zu unangemeldeten Kontrollbesuchen in seinen Atomanlagen vorzulassen, was auch geschah. Nach Ansicht Teherans wurde der Staatengemeinschaft damit die Möglichkeit gegeben, sich davon zu überzeugen, dass das Nuklerarprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken dient. Dass die IAEA nun dessen totale Aufgabe fordert, sieht Teheran als Bruch der Vereinbarung mit den Europäern, die sich offenbar dem massiven US-Druck gebeugt hätten.
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