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"Irgendwer ist immer dagegen"

Von Ina Weber

Politik
Anrainer der Hallergasse kämpfen um diese Bauminsel.
© privat

Ein geplanter Neubau in Simmering mobilisiert die Nachbarschaft.


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Wien. Es sei "5 vor 12", betiteln die Betroffenen ihren Hilferuf. "Manche werden nie wieder die Sonne sehen", wird vermerkt. Konkret geht es um einen anstehenden Neubau im 11. Bezirk, in der Hallergasse 1. Die Wien Süd hat das Grundstück von einem privaten Vorbesitzer erworben, jetzt soll ein Wohnhaus mit mehreren Wohneinheiten entstehen.

Den Anrainern ist das ein Dorn im Auge. Sie wollen die Bäume bewahren, die Grünfläche, und sehen sich durch den Neubau eingeschränkt: "Vielen Anrainern in Genossenschafts- und Gemeindebauten würde eine elementare Luft- und Lichtquelle genommen werden, eine ganze Reihe von Nachbarn würden keine Sonne mehr sehen", sagt ein Anrainer zur "Wiener Zeitung". Sie haben sich formiert, sammeln Unterschriften und verteilen Flugblätter. An ihrer Seite ist die Volksschule Simoningplatz. Auch die Pensionistin Christa Heininger beschwert sich: "Es gibt in Simmering so viele Bauplätze und es wird auch in der Nähe viel gebaut. Muss man hier ein Haus auf einem relativ kleinen begrünten Grundstück mit Baumbestand hineinzwicken? Die Kinder in der angrenzenden Schule werden zukünftig in Betonwände schauen anstatt in eine Grünoase mit Vogelgezwitscher. Die Klassenzimmer werden sich verdunkeln."

Simmerings Bezirksvorsteherin Renate Angerer versteht zwar das Problem der Anrainer. Immerhin hat sie alle eingeladen und sich die Sorgen der Menschen angehört. Aber es sei sehr schwer, "alle Wünsche unter einen Hut zu bringen", sagt sie.

Gegen Stadtentwicklung

"Irgendwer ist immer dagegen", meint sie. Würde man auf alle Beschwerden Rücksicht nehmen, dann würde die Stadtentwicklung stillstehen. Man befinde sich in einer Zwickmühle. Rund 20 teils über 10 Meter hohe, alte Bäume sollen demnächst gefällt werden. Die Genossenschaft Wien Süd nimmt laut Angerer Rücksicht. Der Neubau wurde abgeschrägt, mit der Höhe soll der Bau terrassenförmig zurückversetzt werden.

Die Einschränkung von Licht sieht die Bezirksvorsteherin problematisch. "Bei jedem Bau wird zunächst begutachtet, ob die Lichtverhältnisse stimmen", sagt sie. Und die Bandbreite von weniger Licht bis gar kein Licht sei sehr groß. Dass Bewohner in keinem Fall gerne eine Sichteinschränkung in Kauf nehmen, sei klar. Das lasse sich aber in einer Stadt nicht verhindern. Wenn bei einer Schule eine Garageneinfahrt gebaut werden würde, dann würde auch sie Einspruch erheben.

Die Einspruchsfrist gegen die Flächenumwidmung bei der MA 21 endet am 5. Dezember. Bis dahin können alle Einsprüche geltend gemacht werden. Anschließend werden die Beschwerden dem Stadtrat vorgelegt. Ob dann auf die Wünsche eingegangen wird oder nicht, ist laut Angerer völlig offen.