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Israel bereitet Offensive vor

Von WZ Online

Politik

Israelische Kampfflugzeuge haben am Samstag und Sonntag die Einrichtungen der palästinensischen Organisation Hamas im Gazastreifen angegriffen. Die Attacken forderten 300 Menschenleben. Die Hamas kündigte Vergeltung an. Am Sonntag mobilisierte Israel Reservisten und begann mit den Vorbereitungen für eine Bodenoffensive.


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Seit Beginn der Offensive am Samstag starben bei den schweren Luftangriffen auf den Gazastreifen nach palästinensischen Angaben 300 Menschen. Etwa 900 Palästinenser wurden verletzt.

Israelischen Armeekreisen zufolge griffen 64 Kampfflugzeuge gleichzeitig mehr als 50 Einrichtungen der Hamas an und warfen allein in den ersten neun Stunden der Offensive mehr als 100 Tonnen Bomben ab. Zahlreiche von der Hamas genutzte Gebäude, Trainingsgebiete und andere Infrastruktur wurden zerstört. Auch mehrere führende Hamas-Mitglieder, darunter der Polizeichef und der Hamas-Sicherheitschef, wurden getötet.

Unmittelbar nach dem Einsatz der Luftwaffe wurde eine Israelin bei einem palästinensischen Raketenangriff getötet. Hamas-Chef Khaled Meshaal rief die Palästinenser von Damaskus aus zu einer neuen Intifada auf und kündigte Selbstmordanschläge an.

Am Sonntag flog die israelische Luftwaffe 30 Einsätze gegen mehr als 70 Ziele.

Aufrufe des UN-Sicherheitsrates zu einem Ende der Gewalt verhallten auf beiden Seiten ungehört. Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas gab der radikalen Hamas die Hauptschuld an der Gewalteskalation.

Die israelische Regierung verhängte an der südisraelischen Grenze zum Gazastreifen den Ausnahmezustand und forderte die Bewohner auf, Schutzeinrichtungen aufzusuchen. Ägypten öffnete seine Grenze, um palästinensische Verletzte aufzunehmen. Ärzte im größten Krankenhaus in Gaza sagten, sie könnten keine Verletzten mehr behandeln. "Wir haben keinen Platz mehr", erklärte ein Mediziner im Shifa-Krankenhaus.

Bodenoffensive rollt an

Am Sonntag rollten zahlreiche gepanzerte Fahrzeuge zur Vorbereitung eines möglichen Bodeneinsatzes in Richtung Gazastreifen. Nach israelischen Medienangaben wurde die Zahl der Soldaten an der Grenze verstärkt.

Am Abend des Sonntags brachte die israelische Armee Batterien von Artillerie-Geschützen nahe dem Gazastreifen in Stellung.

Zuvor hatte der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak der Hamas mit einer Bodenoffensive gedroht. "Wenn es notwendig ist, Truppen aufmarschieren zu lassen, um unsere Bürger zu schützen, werden wir das tun", wurde er von seinem Sprecher zitiert. Israels amtierender Premier Ehud Olmert bat die Bevölkerung um Geduld, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen.

Militante Palästinenser feuerten aus dem Gazastreifen zwei Grad-Raketen soweit wie nie zuvor auf Israel - bis an den Stadtrand der etwa 38 Kilometer nördlich gelegenen Hafenstadt Ashdod. Nach Angaben eines israelischen Polizeisprechers schlugen am Sonntagmorgen 20 Raketen auf israelischem Boden ein.

Der israelische Präsident Shimon Peres hatte noch am Samstag versichert, dass Israel nicht die Absicht habe, erneut in den Gazastreifen einzumarschieren. Sein Land werde aber alle "notwendigen Maßnahmen" ergreifen, um einen Stopp der Raketenangriffe aus dem Palästinenser-Gebiet zu erreichen, erklärte Peres.

"Wir sind nicht aus Gaza abgezogen, um dorthin zurückzukehren", betonte der israelische Präsident in einem Interview mit der arabischen Zeitung Al-Sharq al-Awsat. Er machte zugleich die radikal-islamische Hamas für die Krise und das Leiden der Palästinenser in dem Küstengebiet verantwortlich. Das Problem sei, dass die Hamas wie in Gaza eine Machtübernahme auch im Westjordanland anstrebe. Davor hätten die Israelis Angst, sagte Peres. Ohne die Hamas gäbe es jetzt schon einen palästinensischen Staat.

Die neu formierte linksliberale Meretz-Partei rief am Sonntag die israelische Regierung auf, sich nicht in eine groß angelegte Bodenoperation in Gaza hineinziehen zu lassen. Um die an den Küstenstreifen grenzenden israelischen Gemeinden vor Raketenangriffen zu schützen sei vielmehr eine Erneuerung der Waffenruhe nötig, hieß es in einer Erklärung der Partei.

(APA, Reuters)