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Tel Aviv · Zwei höchst peinliche und sensationelle Affären schockieren die israelische Öffentlichkeit und beschäftigen die Medien. Die täglich kolportierten Enthüllungen übermitteln ein | bedrückendes und tristes Bild über Korruption, Unterschlagungen, Morddrohungen, Bestechungsversuche und andere Auswüchse, in die hochrangige Persönlichkeiten verwickelt sind.
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Staatsanwälte und Polizei sind mit der Aufklärung der Beschuldigungen, Unterstellungen und Verdachtsmomente rund um die Uhr beschäftigt. Viele fragen sich bereits: Ist Israel zu einem Sodom und
Gomorrah verkommen?
Die "Helden" der letzten Affären sind Ex-Premier Benjamin Netanyahu und seine Frau Sarah, sowie Ofer Nimrodi, Mehrheitsaktionär und Herausgeber des Massenblattes "Maariv" (Tagesauflage ca.
200.000 Exemplare).
Die Nimrodis zählen zum einflussreichen Geldadel des jüdischen Staates. Jetzt ermittelt die Polizei gegen Ofer Nimrodi wegen des dringenden Verdachts der Anstiftung zum Mord von drei Personen,
versuchter Zeugenbeeinflussung und Behinderung der polizeilichen Ermittlungen. Dabei stützt sie sich auf die Enthüllungen von Rafi Pridan, einem ehemaligen Polizeioffizier und Privatdetektiv, der als
renommierter Abhörspezialist in Nimrodis Diensten stand. Nachdem er wegen groben Verstößen gegen das Abhörverbot zu vier Jahren Gefängnis verdonnert wurde, beschloss Pridan auszupacken. Er kündigte
die Veröffentlichung eines Buches mit pikanten und sensationellen Enthüllungen über die bei ihm bestellten Lauschangriffe gegen politische Gegner und wirtschaftliche Konkurrenten an.
Auch Nimrodi hat keine reine Weste. 1993 beauftragte er Pridan, das Konkurrenzblatt "Yodiot" (Tagesauflage ca. 400.000 Exemplare) "auszuforschen". Über Jahre hinaus wurden vertrauliche
Telefonate und Gespräche des Konkurrenten abgehört und aufgezeichnet, bis die Affäre mit einem Paukenschlag aufflog. Nimrodi zahlte den Abhörspezialisten hohe Schweigegelder, jedoch einer entschloss
sich als Kronzeuge der Polizei gegen seinen Auftraggeber auszusagen. Nach einem langen Prozess wurde Herausgeber Nimrodi zu acht Monaten Freiheitsentzug und einer Geldstrafe von umgerechnet
3,3 Mill. Schilling verurteilt. Abhörspezialist Rafi Pridan sitzt jetzt seine Gefängnisstrafe in einer Vollzugsanstalt ab und arbeitet an einem Buch, das viel innenpolitischen Sprengstoff beinhalten
soll.
Auch die Ermittlungen gegen Ex-Premier Netanyahu und seiner Frau Sarah laufen auf hohen Touren, nachdem der kleine Spediteur Avner Amedi Ungeheuerliches über das Zahlungsgebaren des abgewählten
Regierungschefs enthüllte. Damit steht Netanyahu unter dringendem Korruptionsverdacht. Laut Aussage des inzwischen zum Kronzeugen gewandelten Spediteurs versuchte der Ex-Premier, die Staatskasse für
seine persönlichen Aufwendungen in Höhe von 1,4 Mill. Schilling zu "melken". In diese faulen Praktiken sind auch hochrangige Persönlichkeiten und Beamte in der Staatskanzlei verwickelt, die
versuchten, durch Aushandlung eines dubiosen Kompromisses den vorlauten Spediteur zum Schweigen zu veranlassen.
Auf Grund eines heißen Tips durchsuchte die Polizei vergangenen Mittwoch eine versiegelte Lagerhalle und wurde fündig. Unter den dort eingelagerten Kisten, Kartons, Säcken und Koffern der Netanyahus
entdeckten die Ermittler einen wahren Schatz von wertvollen Gemälden, Gegenständen aus Gold und Silber, teuren Andenken und sonstigen Preziosen, die der Ex-Premier von ausländischen Gästen
beziehungsweise Gastgebern erhalten hatte und die laut Gesetz dem Staat gehören. Jetzt behauptete der Spediteur, er habe den Auftrag erhalten, die Kennzeichnung der Geschenke als Staatsbesitz zu
entfernen, selbst unter Benutzung chemischer Lösemittel.
Die Affäre Netanyahu ist noch lange nicht ausgestanden. Der ehemalige Ministerpräsident und seine Frau Sarah wurden bereits drei Mal stundenlang vernommen. Bemerkenswert ist hier die Tatsache, dass
die ersten Hinweise über die zweifelhaften Geldpraktiken in Netanyahus Staatskanzlei nicht aus den Kreisen seines Nachfolgers Barak, sondern aus seiner Likud-Partei kamen. Einflussreiche
Persönlichkeiten hatten mit dem Ex-Premier einige Hühnchen zu rupfen und beschlossen, sehr schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit zu waschen.
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