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Botschafter Meron wird Freitag in Israel eintreffen in Begleitung des slowakischen Regierungschefs und danach nicht mehr nach Wien zurückkehren. Vor der österreichischen Botschaft in Tel Aviv | protestieren junge Menschen gegen die neue Regierung in Wien.
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Rund 20 junge Israelis stehen mit Transparenten vor der österreichischen Botschaft in Tel Aviv. Auf den Spruchbändern steht: Österreichs Regierung tanzt mit dem Teufel. Die Beamten der
Botschaft gehen von Zeit zu Zeit hinaus und versuchen, die Demonstranten zu beruhigen. Israelische und internationale Kamerateams halten den Botschaftsangestellten jeweils das Mikrofon hin und warten
auf eine Erklärung. Die Botschaft schweigt, aber weist darauf hin, dass Österreich ein stabiles Land in Europa sei.
Der österreichische Handelsattache hat noch keine Reaktionen gespürt, rechnet aber damit, dass es längerfristig Auswirkungen bei Kaufentscheidungen geben könne, dass also bei der Wahl zwischen zwei
Produkten das österreichische übergangen werde.
Österreich ist Spitzenthema in allen Nachrichtensendungen des israelischen Rundfunks und in allen Tageszeitungen finden sich auf den Titelseiten Berichte und Kommentare zur Entwicklung in Österreich.
Der Tenor ist einhellig: keine Toleranz für Rechtsradikalismus. Ha'aretz schrieb in einem Leitartikel heute, dass Österreich es bisher verabsäumt habe, sich wahrhaft mit seiner Vergangenheit
auseinander zu setzen, dass aber auch die Alliierten nach dem 2. Weltkrieg ihren Anteil an Schuld hätten, weil sie Österreichs lange vertretene Position, vom Dritten Reich besetztes Territorium
gewesen zu sein, akzeptiert hätten. Das wahre Problem heute sei die "politische Gesundheit Österreichs".
Von offizieller israelischer Seite gibt es Stellungnahmen in unterschiedlicher Schärfe. Premierminister Ehud Barak betonte, dass der "Einschluss einer extrem rechten Partei, deren Führer zuvor
ernstzunehmende Bemerkungen über das Naziregime gemacht habe, in die österreichische Regierung die gesamte freie Welt aufregen" müsse. Barak sagte, dass das jüdische Volk und Israel nicht zulassen
Würden, dass die Ereignisse in Österreich und ihre möglichen Implikationen in der Welt ignoriert Würden. Die Menschheit insgesamt und die Bewohner Europas im besonderen, müssten sich täglich der
Botschaft des Holocaust und der bitteren Lektionen, welche die Geschichte der 30er und 40er Jahre erteilt habe, erinnern. Avraham Burg, Sprecher des israelischen Parlaments formulierte
schärfer: "das österreichische Volk müsse verstehen, dass die Kooperation mit einer rassistischen und antidemokratischen Partei ein Schmutzfleck auf der österreichischen Nation" sei. Er bedauerte,
dass die Österreicher 55 Jahre danach sich weigerten, die furchtbaren Tragödie der Naziideologie anzuerkennen.
Yad Vashem, die nationale Holocaust-Gedenkstätte in Israel, gab bekannt, dass es "tief bestürzend sei, dass ein Individuum, das die Nazi-Politik lobe und einen Anti-Immigrationsstandpunkt einnehme,
als Koalitionspartner" in Österreich in Frage komme. Österreich habe nicht genügend über seine Rolle im 2. Weltkrieg und im Holocaust unterrichtet. Yad Vashem fordere daher eine verstärkte Erziehung
der Jugend in Österreich gegen den Holocaust. Eine neue Regierung müsse sich voll der Toleranz verpflichten. Es sei undenkbar, dass eine Partei, deren Politik auf Fremdenhass aufbaue, demokratisch
dazu gewählt werde, das Land zu führen. Daher rief Yad Vashem den österreichischen Bundespräsidenten auf, den Eintritt von Jörg Haiders rechtsextremer Partei zu stoppen.
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