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Israelis entern Blockade-Brecher

Von WZ Online

Politik

Tel Aviv. Israelische Soldaten haben am Samstag die "Rachel Corrie" vor dem Gaza-Streifen aufgebracht. Diesmal gab es keine Opfer unter den Aktivisten. | Analyse: Israels kontraproduktive Blockade | Im Einsatz für den Frieden: Mairead Maguire


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Die Besatzung und die Passagiere an Bord des Schiffes auf dem Weg zum unter israelischer Blockade stehenden Gazastreifen hätten "voll kooperiert", sagte ein Armeesprecher.

Die israelische Marine hatte das siebente Schiff der Gaza-"Solidaritätsflotte" mehr als acht Stunden lang im Mittelmeer verfolgt. Der Frachter ignorierte insgesamt vier Aufforderungen, in den südisraelischen Hafen Ashdod zu fahren. Nach einer "letzten Warnung" näherten sich Soldaten mit Booten und kamen an Bord.

1200 Tonnen Hilfsgüter

Zuvor hatten auch Irland und die USA vergeblich versucht, die Aktivisten davon zu überzeugen, den israelischen Hafen Ashdod anzulaufen und dort die rund 1200 Tonnen Hilfsgüter zu löschen. Das Schiff wurde später von den Israelis in diesen Hafen gebracht. Die Hilfsgüter werden dort inspiziert und später in den Gazastreifen weitergeleitet. Die 19 Passagiere wurden ausgewiesen. Sieben Aktivisten reisten über die Allenby-Brücke nach Jordanien aus, die flogen vom internationalen Ben-Gurion-Flughafen aus zurück in ihre Heimatländer.

An Bord der "Rachel Corrie" befand sich die nordirische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Maguire. Das irische Schiff trägt den Namen einer Studentin, die bei einem Protest gegen israelische Hauszerstörungen im Gazastreifen von einem Bulldozer tödlich verletzt worden war.

Israel hat angekündigt, keinen Bruch der Seeblockade vor dem Gazastreifen zuzulassen. Am Montag waren bei der gewaltsamen Erstürmung des türkischen Passagierschiffes "Mavi Marmara" durch israelische Soldaten neun Personen getötet und 45 zum Teil schwer verletzt worden.

Autopsie: Schüsse aus kurzer Entfernung

Das Autopsie-Ergebnis der neun erschossenen Aktivisten könnte den Druck auf die Regierung in Jerusalem erhöhen. Bis auf eine Leiche wiesen alle Opfer mehrere Wunden von Schüssen aus kurzer Entfernung auf, zitierte die britische Zeitung "The Guardian" aus einem kriminaltechnischen Untersuchungsbericht. Die israelische Regierung sieht darin aber keinen Widerspruch zu ihrer Darstellung, dass die Soldaten nur aus Notwehr geschossen hätten.

Diesmal setzten die Israelis keine Hubschrauber ein, sondern enterten das Hilfsschiff von See aus. Die Organisation "Free Gaza" protestierte gegen die Übernahme ihres Frachters in internationalen Gewässern. Die USA und die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navanethem Pillay, forderten Israel auf, die Blockade des Küstenstreifens zu lockern.

Ägypten hatte am Donnerstag seine Landgrenze zum Gaza-Streifen aus humanitären Gründen geöffnet. Bis Samstag passierten nach ägyptischen Angaben etwa 3.500 Palästinenser den Grenzübergang Rafah, darunter Patienten, die ärztliche Hilfe in Ägypten suchten. 250 Lastwagen brachten Hilfsgüter in den Gazastreifen.

Ban Ki-moon will Untersuchungskommission einsetzen

Eine internationale Untersuchungskommission zum israelischen Angriff auf die Hilfsflotte für den Gazastreifen nimmt offenbar Gestalt an. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon will nach Angaben aus dem israelischen Außenministerium den früheren neuseeländischen Ministerpräsidenten Geoffrey Palmer als Vorsitzenden der Kommission gewinnen. Weitere Mitglieder sollen demnach aus Israel, der Türkei und den USA kommen. Ban hat seine Pläne noch nicht offiziell verkündet. Israel hat bisher eine ausländische Beteiligung an einer Untersuchung des Zwischenfalls abgelehnt.

Netanyahu will keinen "iranischen Hafen"

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu will die Seeblockade des Gazastreifens ungeachtet internationaler Kritik aufrechterhalten. Netanyahu sagte am Samstag, er werde "die Errichtung eines iranischen Hafens im Gazastreifen" nicht erlauben. Israel wirft dem Iran vor, die radikale palästinensische Hamas im Gazastreifen mit Waffen und Geld zu beliefern. Netanyahu erklärte weiter, die Blockade solle verhindern, dass Waffen in die Hände der Hamas fielen.