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Ist hier irgendjemand Techniker?

Von Bettina Figl

Politik
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Radiologie und die Entwickler entsprechender Geräte stehen hoch im Kurs - doch Oberösterreich pocht auf eine Medizinische Fakultät und will sich nicht mit Medizintechnik zufriedengeben.
© fotolia

Idee: In Linz könnten statt Medizinern Medizintechniker ausgebildet werden.


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Wien. Die Debatte um eine vierte öffentliche Ausbildungsstätte für Mediziner - diskutiert wird eine Fakultät in Linz - ist um eine Facette reicher: Für EU-Kommissar Johannes Hahn wäre Linz "prädestiniert als Medizintechnik-Uni. Die Johannes-Kepler-Universität (JKU) hat Know-how in Mechatronik und IT. Medizintechnik würde sehr gut dazupassen, und so etwas fehlt", sagte er zur "Wiener Zeitung". Konkret gehe es um die Entwicklung in der Computer-Tomografie, Magnetresonanz oder Röntgen. Erhard Busek, ebenfalls Ex-Wissenschaftsminister, hatte bereits zuvor dafür plädiert, statt der Medizinischen Fakultät in Linz eine Fakultät für Medizintechnik zu errichten. "Die Medizintechnik, die ja zum Teil schon hier ist, kann man weiter ausbauen, das ist eine gute Ergänzung. Sie kann aber kein Medizinstudium ersetzen", sagt dazu Landeshauptmann Josef Pühringer, und: "Man wird uns mit einer Medizintechnik nicht abspeisen können."

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle kann sich einen "Keimling" für medizinische Fächer in Linz vorstellen. In den Leistungsvereinbarungen wurde der JKU eine zusätzliche Professur in Gesundheitsökonomie sowie Medizininformatik und die Studien Bioinformatik-, Medizin- und Bioethik zugesagt. "Die Weiterentwicklung der Medizintechnik ist wichtig, konkrete Wünsche oder Pläne betreffend Medizintechnik wurden seitens der JKU Linz nicht an uns herangetragen", heißt es dazu aus dem Wissenschaftsministerium.

Für den Präsidenten der Ärztekammer Oberösterreich hat die Medizintechnik in Linz hingegen derzeit keine Priorität: "Erst brauchen wir eine zusätzliche Ausbildungsstätte, dann können wir uns um andere Dinge Sorgen machen", sagt Peter Niedermoser, denn: "Ohne Mediziner braucht es auch keine Medizintechniker."

Ob Österreich zusätzlich zu den MedUnis in Wien, Graz und Innsbruck eine vierte öffentliche Medizinerausbildung benötigt, ist umstritten. In der Wiener Ärztekammer zweifelt man daran, dass eine eigene Ausbildung auch mehr Ärzte für Oberösterreich brächte und plädiert für bessere Arbeitsbedingungen, um junge Ärzte daran zu hindern, ins Ausland abzuwandern.

" Eine Ausbildungsstättelöst nicht alle Sorgen"

Dieses Anliegen vertritt auch Niedermoser, denn: "Eine zusätzliche Ausbildungsstätte löst nicht alle Sorgen, die wir haben." Zusätzlich zu einer Medizinischen Fakultät fordert er bessere Bezahlung, verkürzte Facharztausbildung, maximal 25-Stunden-Dienste (anstatt 32 Stunden), mehr Zeit für Patienten, weniger Bürokratie.

Zur viel diskutierten Frage, ob überhaupt Ärztemangel herrscht, verweist Niedermoser auf eine Studie, wonach bis 2030 zwischen 2800 und 7400 Ärzte fehlen, und betont: "Wir brauchen eine zusätzliche öffentliche Ausbildungsstätte, und jene in Linz würde hervorragend zu Österreich passen." Die von Ärztekammer, Wissenschaft-, und Gesundheitsministerium durchgeführte Studie lässt die großen Unterschiede zwischen den Fachrichtungen unberücksichtigt - bereits jetzt fehlen Ärzte in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, in der Urologie, Gynäkologie und HNO.

Die Frage, ob in der Medizintechnik ebenfalls Not an Mann und Frau herrscht und damit eine eigene Fakultät für Medizintechnik notwendig ist, sei nicht so einfach zu beantworten, sagt Norbert Leitgeb, Studiendekan für Biomedical Engineering an der TU Graz: "Das Gebiet ist sehr innovativ, und der Markt regelt sich von selbst. Aber das Feld ist so groß, dass es eine Existenzberechtigung gibt." Die Absolventen arbeiten unter anderem in der Entwicklung von medizinischen Geräten und sind am Arbeitsmarkt gefragt, weshalb sich um die Unis oft Industriecluster bilden - "das könnte bei Linz mit eine Überlegung sein", so Leitgeb.

Mit einer Technischen Fakultät würde man sich auch den klinischen Mehraufwand sparen - jenen Betrag, den der Bund den Spitälern ersetzt, die als MedUni fungieren, immerhin ein dreistelliger Millionenbetrag. Dieser muss bis 2015 neu geregelt werden. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen Wissenschafts- und Finanzministerium.