)
Beschäftigung des Partners ist Stolperstein für Transfers. | Unis beraten Forscherpaare, viele Firmen sind hingegen noch ohne Lösung. | Wien. Wenn der Partner Karriere macht und dafür umziehen muss, heißt das für den anderen meist zurückstecken - oder das Ende der Beziehung. In vielen Beziehungen sind aber beide berufstätig, hochqualifiziert und keiner ist bereit, seine eigene berufliche Laufbahn für die Pläne des anderen zu opfern.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 15 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Viele Unternehmen haben bisher noch keine Lösung für dieses Problem gefunden: "Die Beschäftigung des Partners ist ein wirklicher Stolperstein, an denen viele Transfers scheitern", sagt Peter Truzla, Personalleiter des Konsumgüterherstellers Henkel Österreich. In 90 Prozent der Fälle müsse ein Partner auf sein berufliches Fortkommen verzichten, so Truzla. Auch eine Umfrage der niederländischen NPO Permits Foundation mit 2200 Expatriates und deren Partnern aus 120 Ländern belegt, dass fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten für den Partner die globale Mobilität von hochqualifizierten Mitarbeitern beeinträchtigen.
Vorbild aus den USA
Um Spitzenkräfte anzulocken, unterstützen fünf steirische Universitäten - die Universität Graz, die Medizinische Universität, die TU Graz, die Kunstuniversität und die Montanuni Leoben - seit dem Wintersemester 2010/11 hochqualifizierte Partner von neu berufenen Forschern bei der Fortführung ihrer Karriere.
Nach dem Vorbild aus den USA und Skandinavien, wo Partner von Wissenschaftern seit Jahren bei der Jobsuche unterstützt werden, berät das "Dual Career Service" über Job-Möglichkeiten an den Universitäten und stellt Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern her. Darüber hinaus wird über An- und Ummeldung, Wohnen, Schulen und Kinder- oder Altenbetreuung informiert. Seit Semesterbeginn wurden neun Beratungsgespräche durchgeführt, lautet die erste Bilanz der fünf Hochschulen.
Der Kritik der Vetternwirtschaft hält Waltraud Heschl von der Med Uni Graz entgegen, dass es keine Garantie auf eine Stelle gebe, sondern nur beraten werde. "Damit ist den Betroffenen oft schon sehr viel geholfen", sagt Heschl.
"Ungelöstes Problem"
In der heimischen Wirtschaft sei die Beschäftigung des Partners von Expatriates, also Mitarbeitern, die für eine bestimmte Zeit ins Ausland entsendet werden, hingegen noch ein "großes ungelöstes Thema" - auch bei Henkel, sagt Truzla. Ab und zu sei es gelungen, auch dem Partner eine Stelle zu vermitteln, allerdings stelle das Anzapfen von Branchenkontakten nicht mehr als eine kleine Hilfestellung dar. Eine Beschäftigung innerhalb des Unternehmens sei nicht immer möglich. Zudem gelten bei Henkel Regeln, nachdem Partner nicht in der gleichen Abteilung arbeiten oder aneinander berichten dürfen. Einige Agenturen haben sich jedoch mittlerweile schon darauf spezialisiert, Stellen für Partner von Expatriates zu suchen. Truzla findet dieses Angebot "reizvoll" und kann sich vorstellen, es bald für sein Unternehmen zu nutzen.
Die OMV, die 500 Expatriates in 28 Gastländern beschäftigt, bietet ein "Dual Career Budget" im Rahmen seines Expatriate-Service an. Dieses kann zweckgebunden zur Jobsuche oder für die Fortbildung genutzt werden. Weiters bietet der Öl- und Gaskonzern ein Budget bei der Rückkehr ins Heimatland an.
Othmar Hill, Gründer der Personal- und Managementberatung Hill International, meint, dass das Expatriate-Modell sich nicht durchgesetzt hat: Eine Auslandsentsendung mit Angehörigen bringe immense Probleme mit sich - angefangen von der Übersiedelung der Familie über die Suche von Schulplätzen bis hin zur psychischen Belastung.
Noch schwieriger wird es für den Partner bei der Jobsuche, wenn im Gastland eine andere Sprache gesprochen wird: "Berufsbilder, für die man nicht die Landessprache sprechen muss, sind dünn", sagt Hill. Oft findet der Partner keinen Job, langweilt sich, spricht die Sprache nicht und hat daher wenig Sozialkontakte - das halten viele Partnerschaften nicht lange aus. "Vielen Partner von Expats ohne Job fällt die Decke auf den Kopf", sagt Truzla.
Daher gehen viele Expatriates ohne Partner und Familie ins Ausland oder werden zum Wochenendpendler. Die Karriere zu zweit, ohne dass ein Partner Abstriche machen muss, bleibt also noch mehr Wunschtraum als Realität.

)
)
)