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Ist Religion ein Integrationshemmnis?

Von Stefan Beig

Politik

Religionen in der säkularen Gesellschaft. | Gesellschaft.


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Wien. "Erschwert Religion die Integration in die Gesellschaft?" Vertreter monotheistischer Religionen und Persönlichkeiten der säkularen Gesellschaft stellten sich Donnerstagabend bei einer von Christian Ortner moderierten Podiumsveranstaltung dieser Frage im Haus der Raiffeisen Zentralbank. Organisator waren die Rotarier Wiens.

"Religion kann Integration sowohl fördern, als auch behindern", meinte Gustav Schörghofer, Rektor der Jesuitenkirche in Wien. "Es hängt davon ab, ob sie ein aktives Zugehen auf andere bewirkt, oder zu einem Sich-Abschließen führt." Der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg berichtete von asiatischen Juden mit vollkommen anderen Kulturen, die in der Vergangenheit nach Wien gekommen sind. "Sie können aber ihre Traditionen ruhig behalten, da sie ja ihre Religion friedlich leben."

Einen etwas weitergehenden Integrationsbegriff vertrat der Migrations- und Religionssoziologe Peter Stiegnitz. "Ohne eine Assimilation light' gibt es keine objektive Integration." Dem widersprach der Leiter der Islamischen Religionspädagogischen Akademie in Österreich, Elsayed El Shahed. "Muslime lassen sich nicht assimilieren. Der Islam ist eine gesellschaftliche Religion. Sie muss in der Öffentlichkeit gelebt werden, nicht nur in der Moschee."

Heide Schmidt, Gründern und langjährige Chefin des Liberalen Forums, stellte die zentrale Rolle der Religion heute in Frage. "Religion ist nur ein Bestandteil der Identität", meinte sie. "Die Gesellschaft ist mehrheitlich nicht religiös, auch die Mehrheit der Muslime ist das nicht." Auch hier war El Shahed nicht einverstanden. "Ein Muslim identifiziert sich als Muslim, ob er in Marokko oder in Indonesien lebt. Zum Islam gehört ein soziales und politisches Konzept." Dass daraus Konflikte mit der modernen Gesellschaft erwachsen, leugnete El Shahed.

Um eine gewisse Differenzierung bemühte sich der an der Uni Wien lehrende evangelische Theologe Christian Danz: "Die Gesellschaft hier ist zwar mehrheitlich säkular eingestellt, aber die österreichische Kultur ist für mich als Norddeutschen eindeutig katholisch." Zur Frage, wie sich Religion zum säkularen Staat verhalten soll, meinte Danz: "Wichtig ist, dass sich die Religion nur um religiöse Dinge kümmert und auch den nicht-religiösen Bereich akzeptiert." "Muslime sind verpflichtet, die Gesetze zu halten", ergänzte El Shahed.

Abfall vom Islam wird nicht mit Tod bestraft

Besonders vielen Fragen sah sich in der Folge El Shahed ausgesetzt. Christian Ortner fragte ihn etwa, was er davon halte, dass in Indonesien nun die Scharia eingeführt werde. "Wenn die Mehrheit der Indonesier die Scharia will, dann soll sie eingeführt werden!", antwortete El Shahed. "Das ist die Konsequenz der Demokratie und die soll für alle gelten." Man müsse auch akzeptieren, dass in anderen Ländern, etwa Algerien, die Islamisten gewählt wurden. Die Frage aus dem Publikum, ob Abfall vom Islam mit dem Tod bestraft werde, verneinte El Shahed. "Das wurde nur acht Mal in der islamischen Geschichte praktiziert." Die islamische Lehre kenne im Übrigen verschiedene Rechtsschulen: "In Ägypten, Iran oder Saudi-Arabien werden verschiedene Schulen umgesetzt, die alle islamkonform sind.