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Italien trauert um beliebten Ex-Präsidenten Oscar Luigi Scalfaro

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Neunter Präsident Italiens (1992-1999) galt als Gegenpol zu Berlusconi.


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Rom. In einer privaten Trauerfeier in der Kirche Santa Maria in Trastevere nahm Italien am Montag Abschied von Ex-Präsident Oscar Luigi Scalfaro, der in der Nacht zum Sonntag im Alter von 93 Jahren verstorben ist.

Der am 9. September 1918 in Novara geborene Scalfaro, der aus dem christdemokratischen Lager kam und zu den Gründungsvätern der italienischen Republik gehörte, galt als unbestechlicher Gegenpol zu Premier Silvio Berlusconi. Neben dem Präsidentenamt bekleidete er im Lauf seiner langen politischen Karriere auch die beiden nächsthohen Staatsämter, jene des Präsidenten des Senats und des Abgeordnetenhauses - wie nur zwei seiner Vorgänger, Enrico De Nicola (1946-1948) und Sandro Pertini (1978-1985). Präsident des Abgeordnetenhauses war er nur ein Monat lang, bevor er am 25. Mai 1992 - zwei Tage nach dem blutigen Anschlag auf den Anti-Mafia-Richter Giovanni Falcone - im 16. Wahlgang von einer großen Mehrheit ins Amt des Staatspräsidenten gewählt wurde.

Da hatte er, der nie einem der vielen Flügel der Christdemokratischen Partei angehörte, bereits eine lange politische Laufbahn hinter sich. 1946 war er, der in der Mussolinizeit den Familien von verfolgten Antifaschisten geholfen hatte, in die Verfassungsgebende Versammlung gewählt worden, 1948 in das Abgeordnetenhaus, dem er bis zu seiner Wahl ins Präsidentenamt ununterbrochen angehörte. Zwischen 1954 und 1987 bekleidete er zahlreiche Regierungsposten als Staatssekretär und Minister. Zuletzt war er zwischen 1983 und 1987 Innenminister in Regierungen von Bettino Craxi und Amintore Fanfani. Als Scalfaro als Nachfolger von Francesco Cossiga das Amt des Staatspräsidenten antrat, befand sich Italien in einer der schwierigsten Krisen seiner Geschichte. Korruptionsskandale erschütterten die politische Landschaft der Nachkriegszeit in ihren Grundfesten. 1994 musste er Silvio Berlusconi, dessen Parteienkoalition die Parlamentswahlen gewonnen hatte, als Premier angeloben, verweigerte aber dessen in ein Gerichtsverfahren verwickelten Anwalt Cesare Previti die Berufung zum Justizminister. Als die Lega Nord Berlusconi nach nur acht Monaten im Amt die Unterstützung aufkündigte, beauftragte Scalfaro Berlusconis Wirtschaftsminister Lamberto Dini mit der Bildung eines Expertenkabinetts, ein Schritt, den Berlusconi und seine Anhänger dem Präsidenten nie verziehen. Aus den Neuwahlen 1996 ging dann das Linksbündnis Ulivo unter Romano Prodi als Sieger hervor.

Scalfaro, seit 1944 verwitwet - seine Frau starb bei der Geburt der Tochter Marianna - hat nach seiner Amtszeit als Präsident als Senator auf Lebenszeit alle späteren Versuche Berlusconis, die Verfassung auszuhöhlen, entschieden bekämpft und sich zur Demokratischen Partei bekannt. 2006 war er vorübergehend Präsident des Senats bis zur heftig umkämpften Wahl Franco Marinis.