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Nach 23 Jahren an der Spitze der Lega Nord tritt Parteichef Umberto Bossi zurück. Der Politiker mit dem Saubermann-Image, der stets als Vorkämpfer gegen Korruption auftrat, stolpert über Vorwürfe der Geldwäsche, der Korruption und der illegalen Parteienfinanzierung. Drei Staatsanwaltschaften ermitteln, im Zentrum der Untersuchung steht Bossis eigene Familie. Vor allem sein Sohn Renzo soll sich großzügig an der Parteikasse bedient haben.
Der politische Schaden ist enorm, das Image der Lega Nord als Partei der Radikalopposition gegen Korruption und Kriminalität dahin. Bossis Nachfolger Roberto Maroni will die Lega zwar von Grund auf neu ausrichten, bevor im Herbst ein neuer Parteichef gewählt wird. Die Lega-Wähler schenken den Beteuerungen aber keinen Glauben. Außerdem ist der Fortbestand der Partei ohne Bossi nur für wenige vorstellbar. Die Aussichten für die Kommunalwahlen im Mai könnten schlechter nicht sein, der Lega steht eine vernichtende Niederlage ins Haus, der Scherbenhaufen ist perfekt.
Nach dem Abgang Silvio Berlusconis im November versuchte Bossi, zu seinem Hardliner-Kurs und seiner früheren kompromisslosen Linie zurückzufinden. Er vollzog den endgültigen Bruch mit Berlusconi, dann ging es rasant bergab. Der politische Selbstdarsteller Bossi polemisierte gegen Mario Montis Regierung und rief zur Sezession auf, sein Bemühen blieb ohne Resonanz.
Der Rücktritt Bossis ist für politische Beobachter eine Zäsur, er markiert das Ende einer Ära: Die Mitte-Rechts-Achse Berlusconi-Bossi, die Italien fast zwanzig Jahre dominiert hat, ist kläglich gescheitert und Geschichte. Der Zusammenbruch erfolgte in Etappen, am Ende ging es dann sehr schnell. Erst musste Berlusconi unter dem Druck der ausufernden Schuldenkrise den Hut nehmen - das politische Ende für den leutseligen Medien-Tycoon war blamabel. Nach einer langen Serie von Skandalen um minderjährige Callgirls, wilde Partys und Korruptionsprozesse wollten die Italiener nichts mehr von ihrem "Cavaliere" wissen. Mit dem ruhmlosen Abgang Bossis ist das rechte Lager jetzt zerfallen. Italiens Zweite Republik ist am Ende.
Der Vergleich der jetzigen Situation mit der Lage Anfang der 1990er Jahre liegt auf der Hand. Damals flog ein gigantischer Bestechungsskandal ("Tangentopoli") auf, der das gesamte politische Führungssystem mit einem Schlag hinwegfegte. Mit der Auflösung der beiden größten Regierungsparteien - der Democrazia Cristiana und der Sozialistischen Partei - sowie der Flucht des sozialistischen Parteichefs Bettino Craxi nach Tunesien endete Italiens Erste Republik.
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