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IWF soll 400 Tonnen Gold verkaufen

Von Harald Waiglein

Wirtschaft

OeNB: "Interessanter Vorschlag." | Fonds hat seit 1980 seine Reserven nicht angetastet. | Washingtoner Abkommen müsste modifiziert werden. | Wien/Washington. Der Internationale Währungsfonds hat derzeit Finanzprobleme. Weil immer mehr Entwicklungsländer (zuletzt etwa Argentinien, Brasilien oder Uruguay) Kredite vorzeitig zurückzahlen, fällt der Fonds um wichtige Einnahmen um.


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Die Zinsen aus Kreditvergaben sind die wichtigste Finanzierungsquelle für den Fonds. Das Kreditvolumen des IWF ist derzeit aber mit rund 12 Mrd. Dollar auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Vier Fünftel davon entfallen noch dazu nur auf ein einziges Land, die Türkei. Das hat Folgen für die Bilanz: Für heuer rechnet der Fonds mit Verlusten von rund 90 Mio. Dollar.

Der IWF hat eine Expertengruppe beauftragt, Lösungen für das Finanzierungsproblem zu finden. Diese war hochrangig besetzt. Neben Andrew Crockett, dem ehemaligen Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, gehörten der Gruppe unter anderem auch Ex-US-Notenbank-Chef Alan Greenspan, EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sowie der chinesische Notenbank-Gouverneur Zhou Xiaochuan an.

Ein Vorschlag der Expertengruppe betrifft die Goldreserven des IWF. Der Internationale Währungsfonds hat die dritthöchsten Goldreserven der Welt (siehe Grafik). Er tastet diese so gut wie nie an. Zum letzten Mal hat der Fonds in den Jahren 1976 bis 1980 Gold verkauft. Die Experten sprechen sich nun dafür aus, dass der IWF 403 Tonnen Gold verkauft, was Einnahmen von 6,6 Mrd. Dollar bringen soll. Dieses Geld soll in eine Stiftung eingebracht und veranlagt werden. Aus diesen Veranlagungen könnte der Fonds jährlich rund 200 Mio. Dollar an Einnahmen erzielen.

Schutz für Goldmarkt

403 Tonnen sind für den weltweiten Goldmarkt eine enorme Menge. Damit der Markt nicht durcheinander gebracht wird, lautet die Empfehlung der Expertengruppe, dass andere Notenbanken ihre Goldverkaufsprogramme um 403 Tonnen reduzieren müßten. Die Notenbanken der Euro-Zone beispielsweise sind, ebenso wie jene der Schweiz und Schwedens, an das sogenannte Washingtoner Abkommen gebunden. In diesem Abkommen beschränken die genannten Banken ihre Goldverkäufe zwischen 2004 und 2009 auf insgesamt 2500 Tonnen, also maximal 500 Tonnen pro Jahr.

Dass Goldverkäufe überhaupt in internationalen Abkommen geregelt werden müssen, hat damit zu tun, dass der Goldmarkt von großen Marktteilnehmern leicht verzerrt werden könnte. Die weltweite Nachfrage nach Gold beläuft sich derzeit auf 3734 Tonnen pro Jahr. In den Tresoren der Notenbanken und Währungsinstitutionen lagern aber über 30.000 Tonnen Gold (siehe Grafik) - genug, um die globale Nachfrage für mehr als acht Jahre zu decken.

Da Gold aber - anders als etwa verzinsliche Wertpapiere - keine laufenden Erträge abwirft, sind die Notenbanken seit Jahren bestrebt, ihre Goldreserven in Wertpapiere umzuschichten und so ihre Einnahmen zu erhöhen. Die Österreichische Nationalbank etwa (OeNB) hat seit Beginn der 90er Jahre ihre Reserven von damals über 600 Tonnen auf heute 289 Tonnen reduziert.

Beim IWF stand die OeNB Goldverkäufen aber immer kritisch gegenüber. Noch vor zwei Monaten sagte Nationalbank-Direktor Josef Christl zur "Wiener Zeitung", dass Goldverkäufe des IWF nicht dazu dienen sollten, laufende Abgänge zu finanzieren.

Keine Einsparungen

Jetzt hat die OeNB ihre Haltung aber etwas modifiziert. "Das, was jetzt am Tisch liegt, ist ein interessanter Vorschlag", so Christl. Es gehe nicht mehr bloß um Goldverkäufe, sondern auch um andere, neue Einnahmequellen für den Fonds. So soll der IWF in Zukunft auch mehr Geld mit Dienstleistungen (etwa Beratung von Regierungen, Überwachungsmaßnahmen oder Publikationen) verdienen.

Als negativ erachtet Christl, dass der Fonds zwar neue Einnahmequellen erschließen wolle, Einsparungen aber nicht diskutiert würden. Zum Vorschlag der Experten, das Washingtoner Abkommen zu ändern (was auch dazu führen würde, dass die OeNB weniger Gold verkaufen könnte), sagt Christl: "Darüber wird man noch diskutieren müssen. Klar ist aber, dass man im Fall von Goldverkäufen durch den IWF eine gemeinsame Strategie fahren müsste, um den Goldmarkt nicht durcheinander zu bringen."

Ob der Expertenvorschlag umgesetzt wird, hängt vor allem von den USA ab, die bisher eher skeptisch waren. Sie haben mit 16,83 Prozent bei weitem den größten Stimmrechts-Anteil der insgesamt 184 Mitgliedsländer des IWF. Zum Vergleich: Das Stimmgewicht Österreichs liegt bei 0,86 Prozent.