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IWF will sein Gold zu Geld machen

Von Harald Waiglein

Wirtschaft

39 IWF-Mitgliedsländer für Verkauf. | USA aus Angst vor fallendem Goldpreis dagegen. | Auch Österreich gegen Goldverkäufe. | Washington/Wien. Der Internationale Währungsfonds hält die drittgrößten Goldreserven der Welt (siehe Grafik). Er tastet diese nur selten an: Zum letzten Mal hat er in den Jahren 1976 bis 1980 Goldverkäufe getätigt.


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Doch nun mehren sich im IWF die Stimmen für einen neuerlichen Goldverkauf. Auslöser sind die mageren Geschäftsjahre, die dem Fonds bevorstehen: Für nächstes Jahr werden Verluste von 87,5 Mio. Dollar prognostiziert, bis zum Jahr 2009 soll sich das Finanzloch auf 280 Mio. Dollar ausweiten.

Der Grund dafür ist, dass immer mehr Entwicklungsländer (etwa Argentinien, Brasilien oder Uruguay) ihre Kredite vorzeitig zurückzahlen, was den Fonds um Zinseinnahmen bringt. Gleichzeitig verzichten mehr und mehr Länder darauf, Kredite beim IWF aufzunehmen, weil diese meist mit Auflagen für schmerzhafte wirtschaftliche Reformen verknüpft sind. Da das Zinsniveau derzeit verhältnismäßig niedrig ist, bekommen diese Länder auch anderswo Kapital, ganz ohne Auflagen.

Aus diesem Grund ist das Kreditvolumen des IWF derzeit mit 12,2 Mrd. Dollar auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren. 80 Prozent dieses Volumens entfallen noch dazu nur auf ein einziges Land, nämlich die Türkei.

Österreich für Sparen

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg sprechen sich sechs IWF-Direktoren, die gemeinsam insgesamt 39 Länder vertreten, für Goldverkäufe aus. Einer davon ist der Finne Tuomas Saarenheimo, der für die nordischen Länder zuständig ist, im Rahmen der EU-Präsidentschaft aber auch die Euro-Gruppe vertritt.

Österreich ist mit dieser Positionierung Saarenheimos nicht glücklich. Nationalbank-Direktor Josef Christl sagt zur "Wiener Zeitung": "Wir sind gegen Goldverkäufe. Wir glauben, dass die Reserven des IWF als Sicherheiten für Kreditausfälle dienen sollten, nicht um laufende Abgänge zu finanzieren." Christl spricht sich stattdessen für stärkere Ausgabenkontrollen und neue Einnahmequellen für den IWF aus. So könnten etwa Dienstleistungen wie technische Hilfen oder Ausbildungsprojekte künftig in Rechnung gestellt werden, sagt Christl.

USA hätten Veto

Auch die USA, die die größten Goldreserven der Welt halten, sind gegen Goldverkäufe des IWF. Für das US-Finanzministerium sind diese "derzeit nicht die richtige Option", um die Finanzprobleme des Fonds zu lösen. Die Rolle der USA ist entscheidend: Sie verfügen über 17 Prozent der Stimmrechte beim IWF und können Goldverkäufe somit blockieren.

Hintergrund dürfte sein, dass die USA Angst vor einem fallenden Goldpreis haben. Dieser könnte ihre eigenen Reserven entwerten. Insgesamt lagert bei den Zentralbanken weltweit genug Gold, um den globalen Bedarf für mehr als acht Jahre zu decken. Manche IWF-Direktoren treten dem Vernehmen nach dafür ein, dass der Fonds mehr als 10 Prozent seiner Reserven auf den Markt wirft. Sollte das tatsächlich passieren, könnte der Goldpreis deutlich sinken.

Ob die Angst vor einem fallenden Goldpreis auch ein Grund für den Widerstand der Österreichischen Nationalbank (OeNB) ist, will Christl nicht kommentieren. "Zu marktrelevanten Dingen sage ich gar nichts. Sie können sich aber selbst einen Reim darauf machen."

Die OeNB ist zwar dagegen, dass der IWF Goldreserven verkauft. Sie selbst hat aber damit in den letzten Jahren gutes Geld verdient. Allein im vergangenen Jahr betrug der Erlös aus Goldverkäufen 45 Mio. Euro. Zu Beginn der 90er Jahre betrugen die heimischen Goldreserven noch über 600 Tonnen. Jetzt liegen sie bei 291 Tonnen (siehe Grafik).

Abkommen beschränkt

Anders als der IWF darf die Nationalbank aber nicht soviel Gold verkaufen, wie sie will. Sie ist - ebenso wie alle Notenbanken der Euro-Zone und jener der Schweiz und Schwedens - an das sogenannte Washingtoner Abkommen gebunden. In diesem Abkommen beschränken die genannten Notenbanken ihre Goldverkäufe zwischen den Jahren 2004 und 2009 auf insgesamt 2500 Tonnen - also 500 Tonnen pro Jahr. Damit soll verhindert werden, dass es auf dem Goldmarkt zu einem Überangebot samt Preisverfall kommt.