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Ja, derfen s' denn des . . .?

Von Manfred A. Schmid

Kommentare

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Ich glaube, sie derfen nicht. Aber das ist - die Rede ist natürlich von "Taxi Orange" - meine persönliche Meinung. Mag sein, dass meine Vorstellungen und Erwartungen vom Programmauftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders nicht mehr zeitgemäß sind. Immerhin hat Ulrich Brunner, einst ORF-Chefredakteur, heute freier Journalist, in einem Kommentar in einer Wiener Tageszeitung jüngst den Standpunkt vertreten, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen von den Privaten in punkto Programm überhaupt nicht mehr unterscheiden müssten, das einzige Unterscheidungskriterium sei die Frage der Finanzierung. Daher könne der ORF selbstverständlich eine Sendung im Reality-Soap-Format wie "Taxi Orange" produzieren. Problematisch halte Brunner nur die Unterbrecherwerbung im ORF und das unverhohlene Abhalten von gesponserten Gewinn-Spielen in Sportsendungen und dergleichen.

Folgt man dieser Argumentation, dann liefe das alles letztlich darauf hinaus, dass sowohl Private als auch Öffentlich-Rechtliche den selben Schmarren produzieren; der einzige Unterschied läge dann nur mehr darin, dass die einen das mit Werbegeldern machen, während die anderen dafür die Rundfunkgebühren heranziehen. Dürfen also die Öffentlich-Rechtlichen wirklich jede Tollheit mitmachen, nur weil sie satte Quoten verspricht? Gibt es da nicht Schamgrenzen, die nicht überschritten werden sollten, und ist "Taxi Orange" nicht zumindestens ein arger Grenzfall?

Andererseits: Unterhaltung ändert sich ständig, neue Formen der Unterhaltung werden - den Möglichkeiten des Mediums und den Anforderungen der Spaßgesellschaft gemäß - entwickelt und erprobt. Und so genannte "Reality"-Formate haben mit Realität wenig, dafür umso mehr mit Unterhaltung zu tun. Und viele haben sich bei "Taxi Orange" unterhalten. Daher revidiere ich meine eingangs geäußerte Meinung: Sie derfen schon, aber vielleicht sollten sie 's nicht.