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Jailhouse Rock statt Bolschoi-Ballett

Von Verena Franke

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Für eine Rolle über Leichen zu gehen, ist im Moskauer Bolschoi-Ballett mehr als nur eine Redewendung. Und dies auch noch aus Leidenschaft und Liebe. Das klingt nach einem TV-Drehbuch einer "Criminal Intent"-Folge. Doch hat hier die Realität Regie geführt. "Persönliche Feindschaft" empfindet der Solist Pawel Dmitritschenko gegenüber seinem Ballettchef Sergej Filin. Der Grund: Liebe. Und diese geht bekannterweise seltsame - manchmal eben kriminelle - Wege. Dmitritschenkos Lebensgefährtin Angelina Woronzowa wurde ihr Herzenswunsch verwehrt: die herausfordernde Doppelrolle als Odette/Odile in dem Klassiker "Schwanensee" zu tanzen. Jahrelanges hartes Training - umsonst. Für Filin reicht ihr Können offensichtlich nicht aus, er verweigert ihr die Rolle. Woronzowas Frust und ihre Verzweiflung darüber, dass die Karriere nicht den ersehnten Verlauf nimmt, kann ihr liebender Lebensgefährte kaum ertragen. Weiß er doch durch Erfahrungen am eigenen Leib, welcher Graben sich auftut zwischen den Entbehrungen und den Erfolgen. Und so verschwinden die moralischen Bedenken. Er will den Leidverursacher nur noch selbst Schmerz spüren lassen. Also engagiert er kurzerhand einen Ex-Häftling, lässt diesen per Chauffeur zum Tatort bringen - und das Säureattentat nimmt seinen Lauf (siehe Artikel unten).

Doch die filmreife Karriere-Rettungsaktion aus Leidenschaft zeigt nur, dass der Kampf um Rollen beim Ballett Moral vergessen lässt - Liebe hin oder her. Künftig wird Dmitritschenko wohl zum "Jailhouse Rock" seine Hüften schwingen können.