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Japan muss seinen Aggressionskrieg ehrlich aufarbeiten

Von Bin Zhao

Gastkommentare
Bin Zhao ist Botschafter der Volksrepublik China in Österreich.

Der Besuch von Premierminister Shinzo Abes im Yasukuni-Schrein ist ein großes Hindernis für Frieden und Zusammenarbeit in Asien.


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Im Jahr 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal, jener des Zweiten Weltkriegs zum 75. Mal. Mir ist aufgefallen, wie viel in europäischen Medien über beide Kriege nachgedacht wird. Aber ein Geschehen in Asien ist besorgniserregend: Japans Premier Shinzo Abe besuchte am 26. Dezember 2013 den Yasukuni-Schrein, wo 14 Kriegsverbrecher der Kategorie A des Zweiten Weltkriegs verehrt werden. Das hat in Asien und der Weltgemeinschaft große Empörung und scharfe Kritik ausgelöst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Europa mit ernsthafter Aufarbeitung den richtigen Weg zum Frieden durch Integration gefunden. Besonders Deutschlands Entschlossenheit, alle Nazi-Verbrecher zur Rechenschaft zu ziehen, hat die Versöhnung mit den Opferländern ermöglicht und auch die Tür für Frieden in Europa geöffnet. Der Kniefall des ehemaligen Kanzlers Willy Brandt in Warschau wurde zum Symbol der Verantwortung vor der Geschichte. Es ist kaum vorstellbar, dass heutige Politiker Europas Adolf Hitler oder andere Kriegsverbrecher zu verehren wagten. Aber 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg reißt Japan noch ständig die Wunden der Opferländer auf. Die rechtskonservativen Kräfte in Japan versuchen ständig, die Urteile des Tokioter Prozesses umzustürzen und die Weltordnung nach dem Zweiten Weltkrieg herauszufordern. Selbst die Tatsachen des Massakers von Nanking 1937 und "Trostfrauen" werden bezweifelt. Der Yasukuni-Schrein ist geistliches Symbol des japanischen Militarismus, wo nicht nur Kriegsverbrecher der Kategorie A verehrt werden, sondern auch Japans Aggressionsgeschichte verherrlicht wird. Mit dem Besuch wird die politische Basis der Beziehungen zwischen Japan und seinen Nachbarn sowie der internationalen Gemeinschaft schwer beschädigt, wo ich auch die Wurzel für Japans schwierige Beziehungen zu seinen Nachbarn sehe.

Alle friedliebenden Menschen sollten die Nachkriegsfriedensordnung gemeinsam aufrechterhalten. Jegliche Worte und Taten, die die faschistische Aggressionsgeschichte leugnen oder zu beschönigen versuchen, werden auch nicht akzeptiert. Abes Verhalten läuft gegen den Gang der Geschichte und hat deshalb zu scharfer Kritik der internationalen Gemeinschaft geführt. Russland vertritt diesbezüglich denselben Standpunkt wie China. UNO, EU, USA, Deutschland und andere haben alle ihre Enttäuschung oder Sorge geäußert. Japan solle seine Geschichte ehrlich und richtig aufarbeiten. Japans Aggressionskrieg hat dem chinesischen Volk furchtbare Leiden zugefügt: 35 Millionen Tote und Verletzte, Wirtschaftsschäden von mehr als 600 Milliarden US-Dollar. Aber auch das japanische Volk wurde Opfer dieses Krieges. Wir wollen mit den Japanern in Eintracht zusammenleben und einen gemeinsamen Beitrag zum Frieden und zur Zusammenarbeit in Asien leisten. Nur wer die Geschichte korrekt und gründlich aufarbeitet, kann neue Perspektive schaffen. Wir hoffen, dass Japans Regierung die bittere Lehre aus der Geschichte ehrlich zieht und sich um das Verständnis und Vertrauen der Nachbarländer bemüht, um die nötige Grundlage dafür zu schaffen.