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Japans Geldpolitik trifft den Euro

Von Hermann Sileitsch

Wirtschaft

Yen verliert zum Euro am stärksten - Experte warnt vor EZB-Aktionismus.


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Brüssel/Wien. Japans Geldpolitik zielt auf eine Schwächung der Landeswährung Yen ab - und trifft besonders den Euro: Gegenüber der Gemeinschaftswährung hat der Yen seit September 20 Prozent an Wert eingebüßt - zum Dollar "nur" 14 Prozent (siehe Grafik). Das hat negative Folgen für Europas Exporteure: Weil eine stärkere Währung die Produkte verteuert, könnte das der Erholung schaden.

Experten warnen schon vor einem globalen Abwertungswettlauf, der niemandem etwas bringen würde. "Wir befinden uns nicht im Währungskrieg, könnten aber darauf zusteuern", sagte etwa Weltbank-Chefökonom Kaushik Basu.

Die großen alten Wirtschaftsnationen (G7) - USA, Japan, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien - sprachen sich am Dienstag dezidiert gegen einen Währungskrieg aus: "Wir werden uns weiter eng zum Thema Devisenmärkte abstimmen und entsprechend zusammenarbeiten." Beim G20-Treffen ab Freitag, wo die großen Schwellenländer mit an Bord sind, soll das angesprochen werden. Pikanterweise steht just Japan in der Kritik: Die Notenbank kämpft mit lockerer Geldpolitik und üppigem Einsatz der Notenpresse gegen die hartnäckige Deflation. Zu Recht, befindet Guntram Wolff von der Brüsseler Denkfabrik Bruegel. Er sieht im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" noch weitere Gründe für die relative Euro-Stärke - etwa die schwindende Angst. "Es ist Kapital in die Eurozone zurückgeflossen, gerade auch in den Süden." Die Lage sei zwar noch dramatisch schlecht, aber habe sich etwas gebessert.

Zum anderen habe der neue Chef der britischen Zentralbank, der Kanadier Mark Carney, viele Investoren aufgescheucht: Er ließ Sympathie dafür erkennen, die Zinspolitik am Wachstum zu orientieren. Ähnliches tut die US-Notenbank bereits - was den Dollarkurs tendenziell tief hält. Dass der Euro auf Höchststände jenseits der 1,60 US-Dollar steigen könnte, hält Wolff nicht für wahrscheinlich: "Da können noch so viele Schocks passieren, etwa mit Blick auf die Wahl in Italien."

Besonders Frankreich würde gerne sehen, dass die Europäische Zentralbank aktiv wird, um den Euro zu schwächen. Wolff warnt jedoch vor Aktionismus. Eine Schwächung würde auch gar nicht gelingen - die anderen Wirtschaftsblöcke wüssten das zu verhindern. Schon jetzt steigen im gesamten Euroraum die Leistungsbilanzüberschüsse: "Da ist es schwer zu vermitteln, warum die Währung schwächer werden soll."