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Jeddah: Alles umsonst?

Von Konstanze Walther

Wirtschaft
2 Millionen Barrel pro Tag mehr wären möglich - 500.000 gibt es fürs erste. Foto: sxc

Höhere Förderung wenig überraschend. | Subventions-Erlass bringt keine Lösung. | Wien. Jetzt ist der Ölpreis am Montag schon wieder gestiegen. Obwohl die Konferenz im saudischen Jeddah doch Entspannung bringen sollte (die "WZ" berichtete). Ein deutscher Politiker von der FDP bezeichnete das Öl-Treffen daher als "Flop".


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Wurden die Hoffnungen enttäuscht, der Gipfel unnötig aufgebauscht?, fragen sich Medien und Politiker. "Nein", sagt Ehfan Ul-Haq, Experte beim in Wien ansässigen Erdölberatungsunternehmen JBC Energy. Der Preissprung übers Wochenende beunruhigt Ul-Haq nicht. Ein Barrel der Referenzsorte West Texas Intermediate kostete Montag Mittag 136,27 Dollar, das waren 1,75 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Freitag.

Ul-Haq: "Dass Saudi-Arabien die Ölproduktion anheben wird, wurde schon vor dem Wochenende bekannt gegeben. Das konnte also keine neue Entspannung liefern. Die einzige relative Überraschung war, dass die anderen Länder nicht ebenfalls konkrete Schritte setzen wollen." Zwar wollen Kuwait und die Emirate ebenfalls ihre Produktion anheben. Um wie viel ist allerdings noch unbekannt. Die anderen Länder könnten ihre Förderung gar nicht ausweiten: Die Kapazität sei dafür nicht vorhanden, es werde jetzt schon am Limit produziert, es fehle an der Infrastruktur. "Und die großen Öl-Länder lassen die großen westlichen Öl-Firmen nicht ins Land hinein. Deswegen wurde auf dem Gipfel auch der Abbau der Investitionshürden thematisiert."

Experten gehen davon aus, dass bei der momentanen Infrastruktur nur 2 Millionen Barrel pro Tag mehr gefördert werden könnten, ein Viertel davon wird Saudi-Arabien mit Sommer ausschöpfen - und seine Fördermenge um 500.000 Barrel erhöhen. Doch ganz angreifen wolle man den Öl-Polster eben nicht: "Das würde das Öl über kurz oder lang ebenso verteuern", erklärt Ul-Haq.

Benzin in China teurer

Dass die Erdöl-Nachfrage in China durch die inzwischen um 17 Prozent höheren Benzinkosten sinken wird, glaubt Ul-Haq nicht: "Dafür steigt das chinesische Pro-Kopf-Einkommen. Und nicht nur der Individualverkehr ist für die Nachfrage verantwortlich: Durch die Olympischen Spiele und die Erdbeben wird in China weiterhin viel gebaut."

Der deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos verteidigte im deutschen Fernsehen den Öl-Gipfel als Erfolg: "Das ist mit dem Ölhahn nicht so wie mit dem Wasserhahn, dass man kurz aufdreht und dann ist die Wirkung sofort da."

Diese Wirkung werde wohl in der zweiten Jahreshälfte 2008 eintreffen: Die meisten Analysten rechnen dann mit einem Preis zwischen 100 und 110 Dollar pro Barrel. Denn einerseits werden die Akteure am Finanzmarkt, die teilweise für die Ölpreis-Blase verantwortlich gemacht werden, ihre Gewinne realisiert haben, andererseits werden die jetzt in Jeddah offiziell beschlossenen Fördermaßnahmen zu wirken beginnen.

Siehe Analyse Seite 12