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"Jede Frau hat das Recht auf einen Job." Um die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern zu erreichen, haben sich unter diesem Motto rund 50 Frauenorganisationen in Österreich zu einem | "Frauennetz" zusammengeschlossen. Vertreterinnen aller politischen Parteien, mit Ausnahme der FPÖ, unterstützen das Frauennetz. Auch gemeinsame Anträge im Nationalrat sind geplant. Vordergründige | Anliegen sind die Karenzregelung und die Teilzeitarbeit.
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Daß Politiker entdecken, Kochbücher zu schreiben, reiche nicht aus, meint Traude Kogoj vom UnabhängigenFrauenForum (UFF). Die Frauenvertreter hoffen daher auf das heurige "Superwahljahr", damit
ihre Forderungen umgesetzt werden. Das Frauennetz sei die "logische Weiterentwicklung" des Frauenvolksbegehrens, das bereits 1996 begann, erläuterte Kogoj am Dienstag. Denn seither (das
Frauenvolksbegehren im April 1997 erhielt 644.977 Stimmen, Anm.) sei nur wenig geschehen, um gegen die Benachteiligung von Frauen anzukämpfen. In einer gemeinsamen Charta fordert das Frauennetz, daß
die bezahlte und unbezahlte Arbeit sowie die Macht gerecht auf Frauen und Männer verteilt wird.
"Wir haben die Weisheit nicht gepachtet", erklärte die Vorsitzende des Gleichbehandlungsausschusses und SPÖ-Abgeordnete Elisabeth Hlavac. Aber im Rahmen des Frauennetzes könnten die
Verbesserungsvorschläge gebündelt werden, die Politik habe die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Es gebe unterschiedliche Auffassungen über die Wege, über die zu erreichenden Ziele seien sich die
politischen Vertreterinnen aber einig, betonte ÖVP-Frauenchefin und -Generalsekretärin Maria Kallat. Die ÖVP sei etwa gegen einen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit bis zum sechsten Lebensjahr des
Kindes mit anschließendem Rückkehrrecht in die Vollerwerbsfähigkeit. Erwärmen kann sich die ÖVP aber sehr wohl für steuerliche Anreize an Betriebe, die Eltern Teilzeitarbeit ermöglichen. Kallat
wünscht sich außerdem eine faire Alterssicherung für Frauen, hier kann sie sich ein sogenanntes Pensionssplitting vorstellen. Gefordert wird zudem, daß der gleiche Lohn für eine gleichwertige Arbeit
bezahlt wird.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Beschäftigtenzahlen, wonach Frauen schwerer am Arbeitsmarkt unterkommen als Männer, sprachen sich sowohl Hlavac als auch LIF-Frauensprecherin Maria Schaffenrath für
zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen aus, um allfällige Bildungsdefizite bei Frauen auszugleichen. Schaffenrath ist außerdem die Selbständigenquote bei den Frauen zu gering. Die Vernetzung der
Frauenorganisationen sei "kein Allheilmittel", so Schaffenrath. Sie sieht darin aber eine Chance für eine fruchtbare Diskussion auf politischer Ebene, die bisher zu kurz gekommen sei.
Mit dem Vorurteil, daß Frauen durch den Ausfall am Arbeitsplatz bedingt durch die Karenzzeit für einen Arbeitgeber weniger interessant seien als männliche Arbeitnehmer, versuchte die Grüne Klubobfrau
Madeleine Petrovic aufzuräumen: Männer seien häufiger als Frauen von Verkehrsunfällen und Herzinfarkten und die dadurch entstehende Rehabilitationszeit betroffen.
"Nicht die Arbeit geht aus, sondern die Bezahlung wird weniger", stellte Heidi Ambrosch, die Frauensprecherin der KPÖ, fest. Immerhin würden zwei Drittel der gesellschaftlichen Arbeit von Frauen
geleistet.
Einig sind sich die Frauenvertreterinnen darin, daß "der Druck von außen" erhöht werden müsse, um eine Gleichstellung zu erreichen. Von SP-, VP-, LIF- und Grünen Abgeordneten gemeinsam eingebrachte
Anträge im Plenum bereits nächste Woche sind denkbar. Etwa in bezug auf die Ausweitung des Karenzgeldes für Alleinerzieherinnen auf zwei Jahre oder die Einführung eines "Karenzzeitkontos", bei dem
ein Jahr Karenz in Anspruch genommen wird und die restlichen 12 Monate bis zum Schuleintritt des Kindes aufgespart werden können (nach dem Vorbild Schwedens).
Die FPÖ habe ein allzu unterschiedliches Frauenbild und sei daher bisher nicht vom Frauennetz eingeladen worden. Sollten FPÖ-Vertreter aber die gemeinsame Charta unterstützen, seien sie eingeladen
mitzudiskutieren, sagte Eva Rossmann. Die FPÖ-Bundesobfrau Susanne Riess-Passer bezeichnete die Initiative als "Allianz der Gescheiterten".
Frauen-Arbeitslosenquote
Im Jahresschnitt 1998 betrug die Arbeitslosenquote bei den Frauen 7,5 Prozent (1997: 7,4, 1996: 7,3), jene der Männer ist mit 6,9 Prozent seit 1996 konstant. Für Frauenministerin Barbara Prammer
sind diese Daten ein "unüberhörbares und dramatisches Warnsignal".
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