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Jeder kennt einen Vincent van Gogh

Von Christina Böck

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Doppelgänger hatten in letzter Zeit wirklich Hochsaison. Meistens allerdings handelte es sich da nicht um verdoppelte Menschen, sondern um eine verdoppelte Frisur: Donald Trumps verwegener Tolle wurden vor allem im Netz mit Hingabe Doubles zur Seite gestellt, unter anderem eine pelzige Raupe. Um Haare ging es auch beim Doppelgängerwettbewerb des Jahres: Da suchte Schriftsteller Douglas Coupland einen Doppelgänger von Vincent van Gogh- als Teil des Projekts "Redheads". "So ziemlich jeder kennt jemanden, der wie Vincent van Gogh aussieht", hatte Coupland festgestellt. Und so sei ihm der Gedanke gekommen, das perfekte Lookalike zu suchen. 1250 rothaarige Männer mit Bart aus 37 Ländern haben sich gemeldet, über 500.000 Menschen haben online abgestimmt. Nur die wenigsten Kontestanten nahmen die Sache so ernst und schnitten sich ein Ohr ab. Oder klebten sich zumindest einen Verband drauf. Als Coupland den Briten Daniel Baker sah, war es um ihn geschehen. Sogar Ärzte hat er zugezogen, um die biometrischen Daten von Baker mit denen von van Gogh zu vergleichen. Deshalb obsiegte der Brite. Nun muss man aber sagen: 1250 Kandidaten sind nicht viel, sieht doch heute jeder zweite Hipster von Ottakring bis Williamsburg genau so aus. Eine echte Herausforderung wäre Dalí gewesen, sein Bartstil ist derzeit nicht sehr angesagt.

Und was jetzt? Genau: nichts. Herr Baker tut freilich gut daran, sich von Prostituierten und französischen Malern mit Hang zu exotischen Motiven fernzuhalten. Dann geht es diesmal vielleicht auch mal gut aus für einen Van Gogh.