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Jedes zehnte Kind hat Asthma

Von Mathias Ziegler

Wissen

In Österreich leidet eines von zehn Kindern an Asthma, berichtet der Grazer Mediziner Univ.-Prof. Maximilan Zach anlässlich des heutigen Welt-Asthma-Tages. Dies bedeute, dass sich die Allergie- und Asthmahäufigkeit im Kindesalter in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt habe. Die Hauptursache dafür ortet der Facharzt in einem übertriebenen Hygieneverhalten.


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"Unsere Kinder wachsen zu sauber, zu keimfrei auf", warnt der Leiter der Klinischen Abteilung für Pulmologie/Allergologie der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Graz. Bestätigt wird Zachs "Hygienehypothese" durch eine aktuelle Studie, die in Österreich, Bayern und in der Schweiz durchgeführt wurde und nachweist, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen und sich oft in Ställen aufhalten, weniger häufig an Asthma erkrankten als "Stadtkinder".

Auch im Zuge der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1989 sei wissenschaftlich nachgewiesen worden, dass trotz gleicher genetischer Voraussetzungen die unterschiedlichen Lebensumstände in Ost und West zu einer unterschiedlichen Entwicklung beim kindlichen Asthma führten, unterstreicht der Experte.

Im früheren Westdeutschland, wo die Kinder mit großem Hygienebewusstsein aufwuchsen und nur selten unter Infekten litten, sei die Allergie- und Asthmahäufigkeit deutlich höher gewesen als in der ehemaligen DDR, wo es dieses übertriebene Sauberkeitsbewusstsein nicht gab und viele Infekte zum Kindesalter einfach dazu gehörten.

Ist man einmal an Asthma erkrankt, bedeutet dies jedoch nicht gleich, behindert zu sein, betont Univ.-Doz. Wolfgang Pohl, Leiter der Abteilung für Pulmologie der Landesklinik Hochegg (NÖ). "Im Gegenteil kann der Großteil aller Asthmatiker - bei richtiger Therapieeinstellung - ein weitgehend normales Leben mit intensiver sportlicher Betätigung führen", ist der Asthma-Experte überzeugt. Selbst die Teilnahme an einem Marathon sei bei entsprechendem Training möglich.

"Ein Gutteil der Asthma-Patienten wird aber leider falsch therapiert", ärgert sich Pohl. Einerseits wüssten viele Ärzte zu wenig Bescheid über die Krankheit, andererseits würden manche Patienten dazu neigen, "sich nach eigenem Gutdünken zu therapieren". Infolge der mangelhaften Grundversorgung würden Asthmakranke letztlich in ihrem Alltag und ihrer Lebensqualität tatsächlich stark beeinträchtigt und so oft zu "Behinderten" gemacht.

In Österreich leiden mehr als 500.000 Menschen an Asthma. Erste Symptome sind eine anfallsartig auftretende Atemnot, die zumeist mit "pfeifenden" Atemgeräuschen verbunden ist. Bei Kindern macht sich Asthma oft durch einen hartnäckigen Husten nach Erkältungen oder nachts und nach körperlicher Anstrengung bemerkbar.

**Asthma: Richtige Vorsorge bei Kindern

Eltern, deren Kinder oft an (banalen) Infektionen leiden, sollten nicht verzweifeln, rät der Kinderarzt Univ.-Prof. Maximilian Zach: "Das ist ein völlig natürlicher Prozess, bei dem die Kinder wichtige Widerstandskräfte erwerben". Das Immunsystem sei mit der Bekämpfung dieser Infekte beschäftigt und komme daher nicht auf "Abwege" wie Allergien und Asthma. Gegen schwere Infektionskrankheiten sollten die Kinder hingegen vollständig durchgeimpft werden, mahnt der Experte.

Gelassenheit fordert er bei Hygiene und Sauberkeit ein. Auch wenn einmal ein Schnuller auf den Boden falle, "ist dies in der Regel kein Grund, extreme Säuberungsmaßnahmen vorzunehmen", meint Zach. Auch auf Haustiere brauche nicht von vornherein verzichtet werden. Untersuchungen hätten gezeigt, dass frühkindliche Kontakte mit Haustieren eine Schutzfunktion gegen die Entwicklung von Asthma haben können.

Zusatzschädigungen der kindlichen Atemwege - etwa durch Rauch - seien hingegen tunlichst zu vermeiden.