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Jessas Mariandjosef

Von Christina Böck

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Es ist halt offenbar so: Der Mensch des 21. Jahrhunderts kann nicht mehr ohne Verhaltenskodex. Von allein kommt er nicht mehr auf die einfachsten Benimmregeln. Dass man den Sitzplatz frei macht, wenn jemand Gebrechlicher, Behinderter oder eine Hochschwangere in die Straßenbahn einsteigt, zum Beispiel. Für solche Fälle hat sich noch niemand gefunden, der die Umgangsformen reglementiert. Aber an der Universität Hamburg ist man einen Schritt weiter. Dort wurde nun ein Verhaltenskodex erstellt, der Orientierung bietet, wie Studenten ihren Glauben an der Uni ausleben können. Man wird dort etwa kein PR-Problem mit als Hai kostümierten Prüfungskandidaten bekommen, weil die Vollverschleierung an der Uni Hamburg erlaubt bleibt. Nicht einmal zur Identitätsfeststellung müssen muslimische Frauen den Gesichtsschleier abnehmen.

Die Aktion wiederum wurde von der Forderung muslimischer Studierender in Gang gesetzt. Die wollten, dass Vorlesungen sich nach den islamischen Gebetszeiten richten. Das wurde abgelehnt. Der Uni-Präsident sagte, es seien nicht nur Muslime der Grund für den Kodex gewesen. Es habe auch einen Mann gegeben, der immer wieder mit lauten "Jesus"-Rufen gestört habe.

Hier wird klar, dass eine solche Verhaltensreglementierung in Österreich nicht exekutierbar wäre. Was machen denn Studenten, denen sich im Angesicht der vergessenen Prüfung ein betroffenes "Jessas" entstößt. Oder gar ein noch umfassenderes "Jessasmaria!" Ganz zu schweigen von "Jessasmariandjosef!" Soll übrigens auch schon muslimischen Mündern entfahren sein.