Zum Hauptinhalt springen

"Jetzt ist Feuer am Dach"

Von Veronika Gasser

Politik

Die Arbeiterkammer Wien (AK) ortet in vielen Bereichen Handlungsbedarf. Mit Sorge registriert AK-Präsident Herbert Tumpel eine "Fülle von Verschlechterungen für Arbeitnehmer" durch den Spar- und Budgetkurs der Bundesregierung. Zum anderen vermisst er eine konkrete Verhandlungsposition der zuständigen Minister für die EU-Erweiterung zum Schutz des österreichischen Arbeitsmarktes: "Wenn hier etwas versäumt wird, kann das nicht wieder gut gemacht werden."


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 23 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Am Mittwoch habe die EU-Kommission den Fahrplan für die Osterweiterung bekannt gegeben und Österreich habe immer noch keine klare Position. "Dies ist eine unmögliche Vorgangsweise", kritisiert der AK-Chef. Immer werde diffus von Übergangsfristen geredet, diese können aber vergehen, ohne dass es Verbesserungen gebe. "Wenn die Verhandlungen abgeschlossen sind, kann nichts mehr geändert werden." Deshalb sei es wichtig, sich zuvor mit anderen Ländern zu verbünden, und eine gemeinsame Position zu erarbeiten. Denn in zwei Monaten beginnen die Verhandlungen. "Und jetzt ist Feuer am Dach." Vor der Öffnung von Arbeits- und Dienstleistungmarkt müsse es einen Aktionsplan zur Stärkung der Wirtschaft im Sinne der Arbeitnehmer geben, fordert Tumpel.

Erfreulich positiv sieht der oberste Arbeitnehmervertreter die Akzeptanz der AK seitens der Mitglieder, egal welcher Partei sie angehören: "Die Mitglieder stehen voll hinter uns. Sie schätzen unsere Arbeit und Leistungsangebot". AK-Vizepräsident Alfred Gajdosik (ÖAAB) zitiert aus der jüngsten Umfrage zum AK-Image: "86 Prozent der Mitglieder sind mit der Höhe der Umlage zufrieden." Das sind für beide auch die gewichtigsten Argument gegen eine Senkung der AK-Umlage. Diese Absage an gesetzliche Eingriffe in die Kammerautonomie wurde bei der AK-Vollversammlung einstimmig - von allen Fraktionen - in einer Resolution bekräftigt. Auch die freien Arbeitnehmer stimmten gegen eine Umlagenkürzung.

Denn die AK brauche kein von oben verordnetes Sparprogramm. Die Arbeitnehmervertretung werde neue Leistungen anbieten und weitere Sparpotenziale suchen. "Wir werden uns verstärkt dem Problem der grauen Arbeitsverhältnisse widmen", verspricht Tumpel. Aber es werden natürlich permanent Einsparungsmöglichkeiten gesucht: So wird es in Zukunft für die Theaterveranstaltungen keine Grundsubventionen geben, diese betrugen bisher 35 Mill. S. Auch soll das Feriendomizil Annental und vielleicht auch das AK-Jugendwohnheim veräußert werden, konkretisiert AK-Direktor Werner Muhm die Vorhaben. Synergieeffekte werden sich auch durch das Zusammenlegen verschiedener Bereiche und die Einführung neuer Technologien ergeben, zeigt sich Tumpel optimistisch.

Der Wiener Kammer-Direktor Josef Cerny freut sich, dass die Vorwürfe über Ungereimtheiten bei AK-Bezügen durch eine Prüfung des Rechnungshofs vom Tisch gewischt werden konnten: "Der Rechnungshof befand Verträge und Funktionsgebühren als völlig korrekt." Tumpel habe seit 1997 sogar um 600.000 S weniger bezogen als ihm zugestanden wäre.