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Jetzt kämpft jeder für sich

Von Walter Hämmerle

Politik

Das vorzeitige Ende der schwarz-blauen Koalition macht alle Lagerwahlkampf-Konzepte obsolet. Statt dessen rechnet der Meinungsforscher Peter Ulram im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" nun mit einem Kampf "jeder gegen jeden" und der Zuspitzung auf die Frage nach dem nächsten Kanzler.


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Der Traum mancher Parteistrategen muss nun ungeträumt bleiben. Statt zwei fein säuberlich abgegrenzter Lager - schwarz-blau auf der einen und rot-grün auf der anderen Seite - hat der Wähler am 24. November, dem voraussichtlichen Wahltermin, vier Parteien zur Auswahl. Die Konzepte für einen Lagerwahlkampf können daher getrost dem Altpapier-Container überantwortet werden, davon zeigt sich Ulram überzeugt. Allerdings habe der plötzliche Entschluss zu raschen Neuwahlen wohl alle Parteien überraschend getroffen. Generell habe man sich noch eher in der Organisations- als in der Umsetzungsphase des Wahlkampfs befunden.

Was nun kommen werde, sei ein Wahlkampf "jeder gegen jeden", der sich am Ende auf die Frage zugespitzen werde, wer der nächste Kanzler der Republik Österreich sein soll: Amtsinhaber ÖVP-Obmann Wolfgang Schüssel oder aber sein Herausforderer SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer? Für Ulram bleibt die Wahl zwischen diesen beiden Alternativen aber trotzdem mit einer politischen Richtungsentscheidung verbunden. Eine solche Personalisierung habe für die ÖVP zudem den Vorteil, dass auf diese Weise ihre strukturellen Probleme etwa im urbanen Raum - Stichwort Wien - leichter überdeckt werden.

Dass es tatsächlich zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPÖ und ÖVP um die "Nummer 1" kommt, hält Ulram aus heutiger Sicht nicht für ausgeschlossen, wenn auch aus Sicht der Volkspartei für den Moment der "Wunsch danach noch ein solcher ist".

Angesprochen auf die verworrene Situation bei der Freiheitlichen Partei ist Ulram davon überzeugt, dass Haider nun nichts mehr anderes übrig bleiben werde, als dass er selbst wieder Parteiobmann werde. Zwar hätte die FPÖ in jedem Fall Wählerstimmenverluste bei der kommenden Wahl hinnnehmen müssen, nun aber würden diese noch größer ausfallen. Offen sei allerdings, welche Partei am meisten von den FP-Verlusten profitieren werde. In den letzten Monaten ortete hier der Meinungsforscher einen Wechsel ehemaliger FP-Wähler hin zur ÖVP.