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Jo, dearf der Kaiser denn des?

Von Christoph Rella

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"Wer gegen eine Wiener Austria 4:1 verliert, der kann nicht zu den Favoriten gehören." Gelächter im Studio. So wirklich nett war das nicht, was da Franz Beckenbauer im Rahmen der Auslosungen zur Champions League am Montag im deutschen Fernsehen zu sagen hatte. Geht es nach dem Kaiser Franz, so soll also der ehemalige Gruppengegner der Violetten in der Königsklasse, Russlands Meister Zenit St. Petersburg, für Borussia Dortmund keine allzu schwierige Hürde darstellen. Jo, dearf er denn des?

Auch wenn sich die Österreicher bereits damit abgefunden haben, vom großen Bruder in Sachen Fußball ausgelacht zu werden, so hat der Seitenhieb Beckenbauers in diesem Punkt dennoch heftig geschmerzt. Das hat mit der subjektiven Wahrnehmung des Deutschen auf der einen sowie der Österreicher auf der anderen Seite zu tun: Denn während die Fußball-Legende in dem 4:1-Sieg der Austrianer einen Beweis für die Unfähigkeit der Russen sieht, wurde hierzulande der Erfolg der Veilchen fast wie ein historisches Ereignis gefeiert. Schließlich ist es eine ganze Weile her, seit eine österreichische Mannschaft in der Champions League ein Spiel gewonnen hatte. Schon gar nicht mit drei Treffern Vorsprung!

Dass das einem Beckenbauer nur ein süffisantes Lächeln abringt, sollte man dann auch wieder nicht so ernst nehmen - und ihn gewähren lassen. Das 4:1 gegen den russischen Meister wird so oder so in die Annalen eingehen, genauso wie das 1978 in Córdoba der Fall war. Um Einzelerfolge zu heroisieren, braucht Österreich keinen Kaiser.