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Jobs für Kosmopoliten

Von Heike Hausensteiner

Politik

Die Europäische Union bedeutet beispielsweise, ohne Kontrollen an der Landesgrenze von Österreich nach bella Italia fahren zu können. Ob die EU einmal zu einer reinen Freihandelszone verkommen oder gar zerfallen wird oder doch zu mehr fähig ist? Wer sich darüber ein Urteil bilden möchte, sollte ein berufliches Ziel in einer europäischen Institution anstreben.


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Vorab gilt: Schnell geht in der Europäischen Union gar nichts. Gut Ding braucht eben Weile - das gilt auch für die Auswahl der besten Jobkandidaten. Denn nur diese werden zum Zug kommen, so sie den offiziellen - bürokratischen - Bewerbungsweg beschreiten möchten. Auch gebe es dabei keinerlei Schiebung oder Freunderlwirtschaft, wird offiziell betont.

Grundsätzliche Voraussetzungen für eine berufliche (Zwischen-)Etappe in der EU sind die Staatsangehörigkeit eines derzeitigen oder künftigen Mitgliedstaates sowie neben der Muttersprache ausreichende Kenntnisse in einer weiteren Amtssprache der EU. Das sind übrigens im Moment elf, ab 1. Mai dieses Jahres 20 bis 21, sollte das wiedervereinigte Zypern (mit den Amtssprachen Griechisch und Türkisch) der Union beitreten.

Blue Book für Praktikanten

Berufsanfänger, Studierende oder fertige Akademiker mit oder ohne Berufserfahrung sowie Bewerber, die nicht älter als 30 Jahre sind, können erst einmal als Praktikanten in die europäische Welt hineinschnuppern. Für sie gibt es eine zentrale Anlaufstelle: das Praktikantenbüro in Brüssel, das beim Europäischen Amt für Personalauswahl (EPSO) angesiedelt ist. Für die mehrmonatigen Praktika werden die Bewerber im so genannten Blue Book mit Name, Foto, Herkunftsland und allfälligen Präferenzen veröffentlicht. Die verschiedenen Verwaltungsstellen in den Mitgliedstaaten wählen daraus ihre Kandidaten aus. Je exotischer das Land des präferierten bzw. letztlich zugeteilten Praktikumsplatzes ist, umso größer ist natürlich der Lerneffekt. Also gilt auch hier als Devise "Blick über den eigenen Tellerrand".

Über den Tellerrand

Wer bereits ein abgeschlossenes Studium hat, sich einigermaßen für die europapolitischen Abläufe interessiert und einen gut bezahlten Posten in den Institutionen der Europäischen Union anstrebt, muss das rigorose Ausleseverfahren, den so genannten Concours, durchlaufen. Die Europäische Kommission, der Rat der Europäischen Union, das Europäische Parlament, der Europäische Gerichtshof und der Europäische Rechnungshof sind die fünf offiziell als Organe der EU anerkannten Institutionen; daneben gibt es den Ausschuss der Regionen, den Wirtschafts- und Sozialausschuss, die Europäische Zentralbank, die Europäische Investitionsbank sowie sonstige Ämter (von der Europäischen Umweltagentur in Kopenhagen bis zur Gemeinsamen Forschungsstelle im italienischen Ispra).

Generell beträgt die Anzahl der Interessenten ein Vielfaches der tatsächlich zur Verfügung stehenden Stellen. 50.000 bis 60.000 Erstbewerber für 200 Stellen sind keine Seltenheit. Kein Wunder, liegt doch die Bezahlung über dem Durchschnittseinkommen in den Mitgliedstaaten; das Gehalt der EU-Beamten hängt auch vom Familienstand ab und davon, ob jemand sein Land verlassen hat, um bei einer europäischen Institution zu arbeiten.

Rigorose Auslese

Der Concours läuft als mehrstufige schriftliche und mündliche Auslese ab. Es gibt Auswahlverfahren für bestimmte Bereiche (etwa Forschung und Entwicklung, Verwaltung etc.) und Institutionen (Gerichtshof, Rechnungshof etc.). Die einzelnen Concours-Termine werden im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften und auf der Homepage des Amtes für Personalauswahl veröffentlicht. Beim Concours werden den Kandidaten gute Allgemeinbildung und Sprachkenntnisse in einer weiteren EU-Amtssprache sowie vertiefte Kenntnisse über die europäische Integration - von den Gründungsverträgen bis zu den Namen der Kommissionspräsidenten - abverlangt. Klar ist, dass bei spezifischen Stellenausschreibungen etwa am Gerichtshof ein abgeschlossenes Jusstudium Voraussetzung ist. Das Auswahlprocedere dauert insgesamt rund ein Jahr.

Büffeln für den Concours

Vorbereitungskurse zum Concours werden in den Mitgliedstaaten in unterschiedlicher Dichte angeboten. In Österreich führt im Moment nur die Diplomatische Akademie in Wien bei ausreichendem Interesse entsprechende Module durch. Die Parteiakademien, das Renner-Institut der SPÖ und die Politische Akademie der ÖVP, sowie das Polycollege Stöbergasse in Wien Margareten haben ihre Concours-Programme wieder eingestellt. Über intensives Selbststudium zur Vorbereitung wird kein Bewerber umhin kommen.

Neben der Beamtenlaufbahn gibt es in der EU aber auch noch die Möglichkeit, als (befristeter) Vertragsbediensteter zu arbeiten. Die Auswahl wickeln ausschließlich die betreffenden Institutionen, Dienste oder Agenturen ab. Die Einstellungsverfahren werden auf den öffentlichen Seiten der entsprechenden Behörden kundgemacht. Interessierten Jobsuchern sei daher ein regelmäßiger Blick auf die Homepage empfohlen.

Elektronisches & reales Netz

Networking ist in der realen (Berufs-)Welt ohnehin unabdingbar, zumal in der Europäischen Union. Wer die Mühen der Eigeninitiative nicht scheut, sollte sich an die Interessenvertreter wie Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer oder Umweltschutzorganisationen wenden. Diese betreiben - zumeist via Büro in Brüssel - mehr oder weniger intensive Lobbying-Arbeit bei der EU. Immer noch zu empfehlen sind trotz aller Bedenken auch Blindbewerbungen bei Unternehmen, Kanzleien und Ministerien.