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Johannes Paul II. und Österreich

Von Heiner Boberski

Politik

Der polnische Pontifex hatte eine enge Beziehung zu Österreich. Auf seinen Reisen begeisterte er viele Menschen, einige seiner Bischofsernennungen stießen freilich auf heftige kritik.


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Papst Johannes Paul II. ist Österreich mehrfach verbunden. Sein Vater, der ebenfalls Karol Wojtyla hieß, gehörte in der Monarchie als Verwaltungsoffizier der österreichischen Armee an. Er selbst machte als Erzbischof von Krakau gerne auf Romreisen in Wien Station und hielt Kontakt mit der Wiener polnischen Gemeinde. Der damalige Wiener Erzbischof, Kardinal Franz König, gehörte bei der Papstwahl 1978 zu den ersten Unterstützern Karol Wojtylas. König berichtete im April 1992 bei einer Veranstaltung im Wiener Polnischen Institut davon, wie er schon vor dem Konklave dem polnischen Primas Stefan Wyszynski die Idee unterbreitet hatte, einen Kandidaten aus Polen, nämlich Karol Wojtyla, zu unterstützen.

Johannes Paul unternahm drei Reisen nach Österreich. Bei der ersten im September 1983, zum Abschluss des Katholikentages, begrüßte ihn noch Kardinal Franz König als Vorsitzender der Bischofskonferenz. Höhepunkte waren in Wien eine Europavesper auf dem Heldenplatz, ein Treffen mit der Jugend im Praterstadion, ein Gottesdienst im Donaupark, ein Besuch im Haus der Barmherzigkeit, eine Gedenkfeier zur Befreiung von der Türkenbelagerung 1683 auf dem Kahlenberg und eine Messe im steirischen Marienheiligtum Mariazell.

Im Juni 1988 machte der Papst nur kurz in Wien Station. Zum ersten Höhepunkt dieser Reise, einer Messe in Trausdorf (Burgenland), kamen auch Zehntausende Gläubige aus Ungarn. Starke Akzente setzte der Pontifex im Konzentrationslager Mauthausen, in Lorche bei Enns, in Gurk in Kärnten, in Salzburg auf dem Residenzplatz, im Festspielhaus und in der evangelischen Kirche sowie am Berg Isel und bei einer Begegnung mit Kindern in Innsbruck. Diese Reise fiel mitten in eine Reihe von Bischofsernennungen in Österreich, die bei zahlreichen Gläubigen auf Kritik stießen und die Bildung von Protest- und Reformgruppen in einzelnen Diözesen (Wien, Salzburg, Feldkirch, St. Pölten) auslösten. Den Vorsitz in der Bischofskonferenz hatte 1988 der Salzburger Erzbischof Karl Berg inne.

Erst zehn Jahre später, im Juni 1998, kam Johannes Paul II. als bereits gebrechlicher Mann noch einmal nach Österreich, zunächst nach Salzburg, wo er wie 1988 im Kapuzinerkloster übernachtete, dann nach St. Pölten und schließlich nach Wien. In Österreich standen damals als Vorsitzender der Grazer Bischof Johann Weber und als sein Stellvertreter der wenige Monate vorher zum Kardinal erhobene Wiener Erzbischof Christoph Schönborn an der Spitze der Bischofskonferenz. Auf dem Wiener Heldenplatz nahm Johannes Paul II. drei Seligsprechungen vor - für den Prämonstratenser Jakob Kern, den Gründer der Kalasantiner Anton Maria Schwartz und Schwester Maria Restituta Kafka, eine Märtyrerin unter dem NS-Regime. Den Bischöfen trug er auf: "Gebt den Dialog nicht auf." Der damals durch das Kirchenvolksbegehren von 1995 herbeigeführte Dialog für Österreich mündete schließlich im Herbst 1998 bei einer Delegiertenversammlung in Salzburg in eine Reihe von Reformvorschlägen, die in Rom kein Gehör fanden.