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John Kerry im Umfragehoch -derzeit sogar vor George W. Bush

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Für die heute stattfindenden ersten echten Vorwahlen der Demokraten im Bundesstaat New Hampshire gilt Senator John Kerry als klarer Favorit. In den letzten Tagen konnte er laut einer Montag von CNN veröffentlichten Gallup-Umfrage seinen Vorsprung auf den lange Zeit als Sieger gehandelten ExGouverneur von Vermont, Howard Dean, weiter ausbauen. Nach dieser Umfrage kommt Kerry beim heutigen Urnengang auf 38 Prozent, 13 mehr als Dean.


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John Kerry, der unterstützt von seiner Frau, der milliardenschweren Ketchup-Erbin Theresa Heinz-Kerry und Senator Ted Kennedy bis zuletzt einen Kampf um jede Stimme führte, spielte die jüngsten Meinungsumfragen, die ihn als klaren Favoriten sehen, herunter. Dabei hatte eine im Nachrichtenmagazin "Newsweek" am Wochenende veröffentlichte Umfrage Kerry sogar im direkten Duell mit den amtierenden Präsidenten George W. Bush als Sieger gesehen. Erstmals lag der Präsident mit 46 Prozent hinter einem seiner möglichen demokratischen Herausforderer. Für Kerry sprachen sich in dieser Umfrage 49 Prozent der befragten Amerikaner aus.

Kerry, der bis zu seinem unerwartet deutlichen Sieg in den Parteiversammlungen in Iowa am 19. Jänner in den Umfragen abgeschlagen hinter den Favoriten Howard Dean und Wesley Clark gelegen ist, konnte innerhalb einer Woche in New- Hampshire seinen Stimmenanteil in den Umfragen von 15 auf nunmehr 38 Prozent steigern.

Howard Dean, der vor den Iowa-Wahlen mit 29 Prozent an der Spitze lag und sich wegen seines Kampfschreis vor Anhängern nach dem enttäuschenden Wahlausgang in Des Moines tagelang spöttischer Kritik ausgesetzt gesehen hatte, konnte zwar in den letzten Tagen nach einem Zwischentief wieder Terrain wettmachen, seine Favoritenrolle aber dürfte auch in New Hampshire dahin sein.

Großer Verlierer in den Umfragen ist der ehemalige General Wesley Clark, dem die jüngste CNN-Umfrage gerade noch 10 Prozent Stimmenanteil einräumt - nur mehr halb so viel wie vor einer Woche. Wenn die Umfragen stimmen, wird er damit sogar hinter Senator Joseph Lieberman landen, den 12 Prozent der Demokraten in New Hampshire wählen wollen. Lieberman hat sich in einer Fernsehkonfrontation in der Vorwoche, vor der er bei enttäuschenden vier Prozent lag, enorm gesteigert. 9 Prozent wollen in New Hampshire für den Überraschungszweiten von Iowa, Senator John Edwards stimmen.

Die guten Umfragewerte für Senator Kerry haben aber nicht nur seine demokratischen Mitbewerber, sondern auch die republikanischen Gegner auf den Plan gerufen. Sie versuchen ihn als "Erzliberalen" - was in den USA als Schimpfwort gilt- zu verunglimpfen. Kerry wies diese Vorwürfe entschieden zurück und verwies auf sein Abstimmungsverhalten im Senat: Er habe für mehr Polizei auf der Straße, für geringeres Defizit und mehr neue Arbeitsplätze sowie gegen Geldverschwendung für spezielle Interessen gestimmt, betonte der Senator und fügte hinzu, dass er stets eine Politik in Interesse des Mittelstands betrieben habe. Zur umstrittenen Frage der Ehemöglichkeit für Homosexuelle sagte Kerry, dass er diese Art von Ehen nicht unterstütze, sich aber auch weigere den Senat dafür missbrauchen zu lassen, Homosexuelle zu prügeln.

Für Politbeobachter ist der Ausgang in den demokratischen Vorwahlen in New Hampshire seit Jahrzehnten ein Trendmesser dafür, ob sich die Kandidaten des Parteiestablisments - John Kerry, John Edwards und Joseph Lieberman - oder die sogenannten "Exoten" - dafür stehen vor allem Howard Dean und Wesley Clark - durchsetzen.