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Spanische Königsfotos brennen. | Debatte um Loyalität zu Monarchie. | Madrid. Der Innenhof der Universität von Barcelona erinnert an eine Straße im Nahen Osten. Brennende Plakate fallen von den Balkonen, Bilder einer verhassten Person werden zum Raub der Flammen. Die Studenten zünden Fotos und Poster von Juan Carlos oder auch vom Königspaar an. Dazu werden die rot-gelb-violetten Fahnen der zweiten Republik von 1931 geschwenkt und in Sprechchören wird die Ausrufung der dritten gefordert.
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Juan Carlos I. von Spanien setzt sich nun zur Wehr. Ungewöhnlich genug ist, dass der König zur Tagespolitik spricht. Einmalig ist aber, dass er in seiner Rede zur Eröffnung des neuen Studienjahres in der Universität Oviedo zur Selbstverteidigung der Monarchie griff. Dreißig Jahre lang habe die "parlamentarische Monarchie die längste Periode von Stabilität und Wohlstand in Demokratie" gesichert, die das Land je erlebt habe, erklärte er.
Der König sah sich zu der Verteidigungsrede gezwungen, weil seit Wochen fast täglich irgendwo in Katalonien sein Bild verbrannt wird. Die Regierung in Madrid hat die Aktionen als Entgleisungen junger Separatisten abgetan. In Barcelona, wo auch die Sozialistische Partei regiert, wurde die Polizei offenbar angewiesen, bei solchen Aktionen nicht einzugreifen.
Nach seiner Rede erhielt Juan Carlos Treueschwüre aus allen politischen Ecken, auch von den Sozialisten. Oppositionsführer Mariano Rajoy von der konservativen Volkspartei dagegen warf Premier Jose Luis Rodriguez Zapatero vor, die Monarchie nur "schwach und lauwarm" zu verteidigen. Der hatte sich dagegen ausgesprochen, den Königsgegnern zu viel Aufmerksamkeit zu schenken.
Gegen nationale Einheit
Die Monarchie-Kritik passt zur immer offener artikulierten Ablehnung der nationalen Einheit durch Regionalpolitiker, aber auch manche Landesverbände der Regierungspartei. An mehr als 300 Rathäusern mit sozialistischen Bürgermeistern wird die spanische Fahne nicht mehr gehisst. Die Linksrepublikaner, Koalitionspartner der Sozialisten in Katalonien, fordern die Ablösung des Königs als Oberkommandierenden der Streitkräfte. Der baskische Ministerpräsident Juan Jose Ibarretxe will 2008 ein Referendum über die Trennung des Baskenlandes von Spanien.
Die oppositionelle Volkspartei will dagegenhalten und startete eine Kampagne unter dem Motto: "Wir sind Spanien." Ein Zeichen, dass der Wahlkampf sein Thema gefunden hat. Für den 2. März 2008 ist die Parlamentswahl angesetzt. Den Termin hat Zapatero dem König als Erstem mitgeteilt - wie es sich gehört.
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