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Jugendarbeitslosigkeit: Bildungsfonds als Zankapfel

Von Petra Medek

Politik

Runder Tisch zur Jugendarbeitslosigkeit in Wien. | Konsens über Beratungsbedarf. | Wien . Wie kann die Problematik Jugendarbeitslosigkeit angegangen werden? Um dies zu erörtern, lud die Bundesjugendvertretung, Dachorganisation von 43 Jugendorganisationen, am Montag Sozialpartner und Politiker an einen Runden Tisch.


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Fazit: Dass mehr Beratung für Jugendliche notwendig ist, darüber waren sich alle Teilnehmer einig, zeigte sich der Vorsitzende der Bundesjugendvertretung, Ludwig Dvorak, grundsätzlich mit der Diskussion zufrieden. Auch Ausbildungsverbünden von Betrieben stünden alle positiv gegenüber. "Nun gilt es abzuwarten, ob auch Taten folgen", meinte Dvorak.

Keinen Konsens gab es dagegen bei der Frage zur Einrichtung eines Berufsausbildungsfonds. Während ein solcher Topf, in den nicht ausbildende Unternehmen einzahlen sollen, sowohl für die Jugendvertretung als auch für die Arbeiterkammer (AK) vorstellbar ist, hat die Arbeitgeberseite abgewunken.

Ein solcher Fonds sei sinnvoll, weil er die Ausbildungsqualität in den Betrieben fördern könnte, meint AK-Expertin Edith Kugi. Denn jene Betriebe, die gut ausbilden, sollten Gelder aus diesem Topf bekommen können.

Die Idee eines solchen Fonds "wird von uns strikt abgelehnt", betonte dagegen der stellvertretende Generalsekretär der Wirtschaftskammer, Reinhold Mitterlehner. Dies wäre aus seiner Sicht keine Problemlösung, sondern führe dazu, "dass sich einige von ihren Ausbildungsverpflichtungen frei kaufen könnten".

Öllinger für weiterfassenden Fonds

Umfassender sieht der Grüne Vizeklubobmann Karl Öllinger die Idee eines Fonds: Er kann sich die Einrichtung eines Bildungsfonds vorstellen, der nicht nur für die Primärausbildung gilt, sondern durch das gesamte Erwerbsleben begleiten soll. Die Finanzierung sollte über eine Abgabe der Arbeitgeber erfolgen, erklärte Öllinger und verwies auf ein ähnliches Modell in Frankreich.

Wissen

In Österreich sind rund 60.000 Jugendliche im Alter von 15 bis 25 Jah-ren von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen ist mit einer Quote von 10,4 Prozent etwa doppelt so hoch ist wie die Arbeitslosenrate insgesamt.

Beim Arbeitsmarktservice (AMS) waren Ende Mai 13.316 Jugendliche als lehrstellensuchend gemeldet. Ihnen boten die heimischen Unternehmen 12.697 offene Lehrstellen an (Daten beziehen sich auf sofort und nicht sofort verfügbares Angebot)