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Junge Aufsteiger und Aussteiger

Von Clemens Neuhold

Politik
Fliegender Wechsel: (v. links oben) Kucharowits steigt auf, Moitzi geht, Rudas zieht in die USA, Holzinger legt sich quer, Peschek vertraut rotem Kompass.
© Fotolia (zmijak), SPÖ, Parlamentsdirektion (Wilke/Simonis)

Mit Moitzi hört auch der kritischste junge Rote auf - wie alt sieht junge SPÖ bereits aus?


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Wien. Die einstige Zukunftshoffnung der SPÖ, Laura Rudas (32), macht einen Abflug - zum Studium in die USA. Die Luft heraußen ist auch aus der parteiinternen Karriere von Wolfgang Moitzi (29), seit 2008 Vorsitzender der Sozialistischen Jugend (SJ). "Im Mai endet mein Vorsitz, danach zieht es mich in die Privatwirtschaft. In der SPÖ Steiermark bleibe ich aber aktiv", sagt er zur "Wiener Zeitung". Galt Rudas als angepasst und linientreu, wandelte Moitzi auf den Spuren der "jungen Wilden", die sich in den 70er Jahren so manche "Detschen" von den Parteigranden abholten.

Im Visier der Krone

Die neue Aufsteigerin ist Katharina Kucharowits (30). Am Tag, als Rudas ihren Rückzug bekanntgab, richtete die SPÖ-Abgeordnete zu Beginn einer parlamentarischen Fragestunde das Wort an ihren Parteichef, Bundeskanzler Werner Faymann. Das Thema sinngemäß: Warum ist Österreich so gut bei der Jugendbeschäftigung? So viel Angepasstheit blieb nicht unbemerkt. Ein Journalist in der Galerie raunte "Kasachstan", die "Kronen Zeitung" kanzelte Kucharowits auf Seite 3 als rote Jungpolitikerin ab, die "mit netten statt kritischen Fragen für die gute Laune des Kanzlers zuständig ist". Kucharowits ist Chefin der Jungen Generation, historisch die organisatorische Antwort der Partei auf die zu kritischen Jugendorganisationen SJ oder VSSTÖ.

Wenn es an die Posten und Mandate geht, hat dieser Typus Jungpolitiker eindeutig die Nase vorne. Fragt sich, wie alt sieht der politische Nachwuchs der SPÖ bereits aus? Eine Partei, die vielleicht auch wegen dieser Angepasstheit zu wenig durchlüftet ist, um neue Jungwähler anzuziehen?

"Ich kümmere mich um Themen, die wichtig sind für junge Menschen. Wenn ich dann als unkritisch wahrgenommen werde, ist es auch O.K. Kritik übe ich in den Gremien. Es ist unfassbar leicht, eine Schlagzeile zu bekommen. Aber man muss die eigenen Leute überzeugen, bevor man querschießt", sagt Kucharowits.

Offensiv quergeschossen hat eine andere SPÖ-Jungpolitikerin, die oberösterreichische Abgeordnete, Daniela Holzinger (26). Sie stimmte vergangene Woche gegen die Parteilinie mit der Opposition für einen Hypo-Untersuchungsausschuss. Das hatte ein Nachspiel. "Im Klub hat es vor der ersten Abstimmung wenig bis gar keine Diskussion gegeben. Da konnte ich nicht dahinterstehen. Aufgrund meines Abstimmungsverhaltens gab es dann doch eine Diskussion. Diese Sitzung war hart. Es ist nicht leicht, als naiv oder als Verräter hingestellt zu werden. Aber immerhin gab es eine demokratische Diskussion." Ein Kollege soll ihr sogar nahegelegt haben, aus dem SPÖ-Klub auszutreten. "Das kommt für mich nicht infrage. Ich bin Sozialdemokratin. Nur: Da bin ich lieber naiv als unglaubwürdig."

Holzinger kann deswegen aufmüpfiger sein als manche Kollegen, weil sie über ihren Bezirk in den Nationalrat kam und damit nicht vom Goodwill des Landes- oder Parteivorsitzenden abhängig war. Doch was ihren weiteren Aufstieg in der SPÖ betrifft, wird für solch aufmüpfigen Geist die Luft bald dünn. "Der Apparat hat mit internen Kritikern keine Freude", sagt Moitzi. "Der Umgang mit Holzinger ist kein sehr aufbauendes Zeichen." Für ihn wird es zur "Überlebensfrage" der Partei, dass sie sich öffnet und demokratisiert, wie die SPD in Deutschland. Dort gibt es einjährige Schnuppermitgliedschaften.

Das letzte Angebot

"Durch die Urabstimmung über den Koalitionspakt sind tausende Menschen neu in die SPD eingetreten. Wir brauchen solche Abstimmungen und dazu noch offene Konferenzen über wichtige Themen." Die SPÖ-Struktur sei noch immer zu stark auf die 70er Jahre ausgerichtet. Damals konnte man Mitglieder mit einem leichteren Zugang zu Wohnung oder Job binden. "Das Einzige, was die Partei den Mitgliedern heute noch bieten kann, ist Mitbestimmung, und dafür muss sich die Partei demokratisieren."

Stefan Bachleitner, Agenturchef und SPÖ-Kenner, sagt: "Es gibt mehr Junge in der Partei, als man wahrnimmt. Nur wird das Potenzial nicht unbedingt genutzt."

In Wien heißt der Shootingstar Christoph Peschek (30). Er ist Jugendsprecher und Rapid-Vizepräsident. Klassische Karriere eines Angepassten? "Ich muss mich nicht anpassen. Mein Kompass sind sozialdemokratische Werte. Diese versuche ich, mit konkreten Ideen wie dem Lehrstellen-Gütesiegel umzusetzen. Wenn man seine Ideen gut argumentiert, ist in der SPÖ viel möglich."