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"Juvivo-Leute sind chillig drauf"

Von Thomas Müller

Politik
Brettspiele im Kardinal-Nagl-Platz ziehen Buben wie Mädchen gleichermaßen an.
© © Stanislav Jenis

Die Jugendarbeiter bieten ganzjährig auch Indoor-Angebote an.


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Wien. "Juvivo ist hier!", ruft ein Bub über den Reithofferpark seinen Freunden zu und einige Kinder kommen auch gleich zum Volleyballnetz gelaufen, das gerade zwischen zwei Bäumen gespannt wird. Auf zwei Tischen sind Bastelutensilien, Papier und Zeichenstifte verteilt, die von einigen Kindern bereits in Gebrauch genommen werden. Zwei der älteren Burschen bedienen währenddessen ein Springseil, damit die kleineren Kinder um die Wette hüpfen können. Es ist sonnig und der Park ist am Nachmittag dementsprechend gut frequentiert.

Jeden Montag ab 15 Uhr kommen in der warmen Jahreszeit Jugendarbeiter des Vereins Juvivo auf den Platz. Sie sind hier so etwas wie eine Institution. "Einige Kinder kenne ich, seit sie im Bauch sind", sagt die Sozialarbeiterin und studierte Soziologin Moni. Die gebürtige Oberösterreicherin mit den auffälligen roten Haaren ist seit bald 14 Jahren hier im Einsatz. "Unsere Materialien sind ein Medium um Zugang zu den Menschen zu finden, die hierher kommen. Außerdem haben wir seit langem einen Schwerpunkt auf Ausflüge, weil früher viele Jugendliche nur selten ihren Bezirk verlassen haben. Heute ist das etwas anders, die Jugend ist mobiler geworden."

Auch ältere Jugendliche kommen zum Plaudern vorbei und teilen ihre Sorgen zu Ausbildung oder Liebeskummer mit den Betreuern. Die meisten Kinder und Jugendliche im Park haben Migrationshintergrund. Viel wichtiger sei aber der soziale Hintergrund, weiß Moni: "Die Parkbesucher spiegeln die Bevölkerung im nördlichen 15. Bezirk wider, der ja auch der einkommensschwächste Bezirk Wiens ist."

Verständigungsprobleme gäbe es keine im Park, sagt ihr Kollege Hakan: "Es gibt eine gemeinsame Sprache und die ist Deutsch." Gruppenbildungen nach Muttersprachen beobachten die Betreuer nicht, Interessen würden eher eine Rolle spielen. Die Betreuer selbst sprechen grundsätzlich mit allen Kindern Deutsch, auch wenn sie deren Muttersprache beherrschen. "Wenn ich merke, dass sie nicht gut Deutsch können, rede ich schon auf Türkisch, aber nur so weit sie etwas nicht verstehen und dann wechsle ich wieder ins Deutsche", erzählt Hakan, der ausgebildeter Jugendarbeiter ist.

Die Burschen haben am Park eigentlich nichts auszusetzen, einzig ein Netz über dem Fußballkäfig wäre gut. "Ich werde das weitergeben und sage euch Bescheid", sagt Moni. Das Juvivo-Team habe einen "guten Draht" zur Bezirksvorstehung. Die Chancen auf Erfüllung des Netz-Wunsches stehen also gut.

Ausbildung ist Pflicht

In fünf Bezirken ist der Verein aktiv und betreibt dort auch Jugendtreffs, die ganzjährig von Jugendlichen frequentiert werden können. Auch ansonsten ist bei Juvivo Deutsch die Lingua franca, doch lege man Wert auf eine gute Mischung des Teams, sagt die pädagogische Leiterin Gabriele Wild: "Da geht es nicht nur um Migrationshintergrund, sondern auch um Geschlecht, Alter, Religion. Bedingung für alle ist eine Ausbildung. Jugendarbeit ist ein Job für Profis." Neben der Parkbetreuung ist Juvivo auch in der aufsuchenden Sozialarbeit aktiv, bei der die Teams in der Umgebung der Parks unterwegs sind, oft auch am Abend, um Jugendlichen, die noch draußen sind, zu erreichen. Die Basisfinanzierung des Vereins wird von der Gemeinde Wien und den Bezirken getragen.

Ein weiterer Standort befindet sich im dritten Bezirk, wo von April bis Oktober vier Parks von Juvivo betreut werden, teilweise mehrmals die Woche. Beim Lokalaugenschein zur Mittagszeit am Kardinal-Nagl-Platz spielen die Betreuer gerade mit zwei Kindern ein Gesellschaftsspiel auf eigens aufgestellten Tischen. Sozialpädagogin Magdalena macht eine Runde auf dem Platz und fragt zwei Mädchen, die etwas gelangweilt auf Spielgeräten des Parks sitzen: "Wollt ihr nicht zu unsern Tischen nach vorne kommen?"

Seit fünf Jahren ist sie in den Parks von Wien-Landstraße für Juvivo unterwegs. "Der öffentliche Raum ist eher männlich dominiert, aber wenn es gezielte Angebote gibt, kommen auch mehr Mädchen in den Park. Außerdem unterstützen wir die Mädchen darin, sich Raum zu nehmen, etwa im Fußballkäfig", erzählt die Parkbetreuerin. Der Erstkontakt ergibt sich meist vor Ort im Park, oder die Eltern bringen die Kinder zu einem Indoor-Angebot.

Soziale Gründe

Dass es nur wenige Kinder aus "autochthonen" Familien in den Park verschlägt, habe einfach soziale Gründe: "Diese Familien haben mehr Raum und weniger Kinder. Und diese haben oft ein eigenes Zimmer." Umgekehrt begegne man im öffentlichen Raum eher Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien. Neben dem spielerischen Angebot sind die Parkbetreuer daher auch Ansprechpartner für Anliegen aller Art, ob Hilfe bei Bewerbungen oder Stress in der Familie.

Inzwischen tummelt sich schon ein halbes Dutzend Kinder um die Juvivo-Tische, zwei Buben kugeln raufend am Boden, bis Magdalena freundlich aber bestimmt eingreift. "Die Juvivo-Leute sind chillig drauf", lobt der 13-jährige Markus, ein Stammgast am Kardinal-Nagl-Platz, der gerade von der Schule kommt. "Die meisten hier sind Türken oder Serben. Streit hat es eigentlich nie gegeben", meint er zur Zusammensetzung des Klientels. Allenfalls eine größere Schaukel wäre gut. Ein weiterer Verbesserungsvorschlag fällt Magdalena noch ein: "Der Fußballkäfig bräuchte oben ein Netz."